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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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I. Ideologie, Disziplin, Strafverfolgung324 Konnte ein Vergehen nachgewiesen werden, führte dies – gerade auch vor dem politischen Hintergrund – zu harten Strafen wie Gefängnishaft, der Einweisung in ein Arbeitsbesserungslager des GULAG oder sogar zum Tod. Dabei kam die politische Dimension besonders dann zum Tragen, wenn ein Verbrechen durch „antisowjetische Sensationsmeldungen“52 die Aufmerk- samkeit der Öffentlichkeit auf sich gezogen hatte. Ein Beispiel dafür ist die am 3. November 1946 im Wiener Prater verübte Vergewaltigung zweier Ös- terreicherinnen, bei der eine der Frauen getötet, die andere schwer verletzt wurde. In mehreren Artikeln widmete sich unter anderem die „Arbeiter-Zei- tung“ dem Verbrechen, „das an Bestialität viele andere in den Schatten stellt und alle öffentliche Unsicherheit im grellsten Licht zeigt“.53 Wenig später informierte der TASS-Korrespondent G. N. Moločkovskij die Abteilung für Propaganda und Agitation des ZK der VKP(b) nicht nur über mehrere „Fäl- le von disziplinlosem Verhalten“ sowjetischer Soldaten, sondern auch über „unangebrachte Milde“ bei deren Ahndung: „Ein schlechtes Licht auf unsere Truppen wirft auch die Tatsache, dass von den fünf verurteilten Tätern, die eine aufsehenerregende Vergewaltigung mit Mord im Prater verübt hatten, erst einer erschossen wurde. Hier liegt eine klare Unterqualifizierung der po- litischen Tragweite dieser Tat vor.“54 Die Armeeführung kannte ihre Soldaten und wusste um die Problematik verschiedenster Verstöße bereits aus der Kriegszeit. Noch vor Überschreiten der österreichischen Grenze erging auf Weisung des Chefs der NKVD-Trup- pen zum Schutz des Hinterlandes der 2. Ukrainischen Front der Befehl, sämt- liche Fälle „von ungesetzlichen Taten von Angehörigen der Roten Armee gegenüber der örtlichen Bevölkerung (Raub, Vergewaltigung von Frauen usw.)“ zu ahnden. Die „Schuldigen [sind] festzunehmen, ein Akt anzulegen und ein Verhörprotokoll aufzusetzen, die gemeinsam mit den Materialien der Vorerhebung entweder an die eigene Einheit oder an die ‚Smerš‘ zu senden sind“, hieß es in diesem NKVD-Befehl vom 8. März 1945.55 52 RGASPI, F. 17, op. 128, d. 117, S. 199–201, hier: S. 201, Bericht von G. N. Moločkovskij an die Abtei- lung für Propaganda und Agitation des ZK der VKP(b) über die Disziplin der sowjetischen Trup- pen in Österreich [spätestens am 11.12.1946]. Abgedruckt in: Karner – Stelzl-Marx – Tschubarjan, Die Rote Armee in Österreich, Dok. Nr. 127. 53 Das Verbrechen im Prater. Wir fordern Aufklärung!, in: Arbeiter-Zeitung, 7.11.1946, S. 3. Vgl. dazu weiters: Die Praterverbrecher zum Tod verurteilt. Vom sowjetischen Militärgericht, in: Arbeiter- Zeitung, 30.11.1946, S. 1. 54 RGASPI, F. 17, op. 128, d. 117, S. 199–201, Bericht von G. N. Moločkovskij an die Abteilung für Propaganda und Agitation des ZK der VKP(b) über die Disziplin der sowjetischen Truppen in Ös- terreich [spätestens am 11.12.1946]. Abgedruckt in: Karner – Stelzl-Marx – Tschubarjan, Die Rote Armee in Österreich, Dok. Nr. 127. 55 RGVA, F. 32917, op. 1, d. 7, S. 96, Befehl Nr. 0511 des Kommandanten des 335. NKVD-Grenzregi- ments, Oberstleutnant Zacharčuk, und des provisorischen Stabschefs des Regiments, Hauptmann
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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