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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Seite - 342 -
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I. Ideologie, Disziplin, Strafverfolgung342 heit versetzt.108 Diese Regelung lässt freilich die Berichterstattung mancher der Politoffiziere über die Disziplin und den politisch-moralischen Zustand in ihrem Zuständigkeitsbereich in einem besonderen Licht erscheinen. Denn eine schlechte Moral unter den Soldaten fiel auch auf die politischen Offiziere selbst zurück, da sie diese offenbar nicht überzeugend genug geschult hatten. Ein offensichtliches Versagen in diesem Bereich konnte zu einem Karriereein- bruch führen. Allein deshalb sind auch ihre Berichte mit Vorsicht zu genießen. Wenig überraschend ortete man bereits kurz nach Kriegsende beträcht- liche Mängel in den vorgelegten Berichten: „Die durch das Vordringen der Truppen in außersowjetisches Territorium veränderte Lage, der Einfluss die- ses Umstandes auf den politisch-moralischen Zustand und die Kampfkraft der Einheiten fanden insgesamt nicht den notwendigen Niederschlag in den Meldungen und Quartalsberichten“,109 lautete die sperrige Kritik. Häufig würden heikle Fragen tabuisiert oder schlichtweg vertuscht, kritische Analy- sen der Fehler und Lücken in der politischen Arbeit unterlassen sowie kon- krete Maßnahmen zur Beseitigung der Mängel verschwiegen werden. Einige der Politabteilungen hätten ihre Vorgesetzten „schlecht und nicht operativ“ über neue Vorfälle im Leben der Soldaten informiert. Besonders schwerwie- gend war der Vorwurf, die Politoffiziere würden ihrerseits vielfach nur sehr spät von negativen Vorfällen erfahren, da sie mit den Soldaten und vor al- lem auch mit den Kommunisten und Komsomolzen unter ihnen einen zu ge- ringen Kontakt pflegten. Außerdem würden sie nicht schnell und „politisch scharf“ genug darauf reagieren.110 Man erinnerte die Leiter der Politabteilungen daran, bei „außerordent- lichen Vorfällen“ die entsprechenden Berichte gemäß den Vorgaben des NKO-Befehls Nr. 203 vom 13. Oktober 1944 zu gestalten. Dabei mussten folgende Punkte behandelt werden: „a) der Charakter des Vorfalls, b) seine Umstände, c) die Gründe, d) die Folgen, e) die Schuldigen, f) die ergriffenen Maßnahmen“.111 Der Verdacht liegt auf der Hand, dass die Politoffiziere – wenn möglich – überhaupt keine Kenntnis von Vergehen erlangten oder diese selbst zum Teil vertuschten. Letztlich traf ein gewisser Teil der Schuld der Vergehen an- 108 Jurij El’tekov, Freundliche Auskunft an Barbara Stelzl-Marx. Grambach 17.5.2008. 109 RGVA, F. 32914, op. 1, d. 132, S. 193–195, Befehl des Leiters der NKVD-Truppen zum Schutz des Hinterlandes der 3. Ukrainischen Front, Generalmajor Pavlov, und des Leiters der Politabteilung, Oberst Nanejšvili, über die parteipolitische Information, 25.5.1945. 110 Ebd. 111 RGVA, F. 32905, op. 1, d. 291, S. 166f., Anordnung des Leiters der Politverwaltung der CGV, Ge- neralleutnant Galadžev, an die NKVD-Truppen zum Schutz des Hinterlandes der CGV, über die Berichterstattung bei außerordentlichen Vorfällen, 19.9.1945.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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