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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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I. Ideologie, Disziplin, Strafverfolgung344 samkeit widmete man dem Verhalten von Partei- und Komsomolmitgliedern. Diese sollten – zumindest theoretisch – den übrigen Armeeangehörigen als leuchtende Vorbilder dienen. So unterschied man bei der Analyse des politisch- moralischen Zustandes sowie der Disziplin der Truppen nicht nur nach militä- rischem Rang (Offiziere – Unteroffiziere – Mannschaftsdienstgrade), sondern auch nach Parteizugehörigkeit (Kommunisten – Komsomolzen – Parteilose). Das Ergebnis war jedoch häufig ernüchternd: Zwar lagen „amoralische Erscheinungen“ und militärische Vergehen bei den Mannschaften weit über jenen der Unteroffiziere und vor allem der Offiziere, doch unterschieden sich Kommunisten und Komsomolzen nur unwesentlich von Parteilosen: Etwa die Hälfte der registrierten „amoralischen Erscheinungen“ im 2. Quartal 1945 hatten Partei- und Komsomolmitglieder begangen; bei militärischen Ver- fehlungen war die Lage lediglich geringfügig besser. Unbeirrt informierte man jedoch den Chef der Politabteilung: „Ungeachtet der Mängel führten die Partei- und Komsomolorganisationen eine große Arbeit hinsichtlich der Stärkung des politisch-moralischen Zustandes und der Disziplin unter dem Personalstand, den Kommunisten und Komsomolzen durch.“116 Betrachtet man die zahlenmäßige Verteilung auf militärische Ränge und Parteizugehörigkeit, fällt jedoch Folgendes auf: Anfang April 1946 bestan- den rund 13 Prozent des gesamten, aus 1246 Mann bestehenden 37. NKVD- Grenzregiments aus Offizieren, 24 Prozent aus Unteroffizieren und 63 Pro- zent aus Mannschaftssoldaten. Insgesamt 25 Prozent waren Kommunisten, 33 Prozent Komsomolzen und 42 Prozent Parteilose. Dabei war der Anteil an Kommunisten unter den Offizieren mit 78 Prozent besonders hoch; die Kom- somolzen und Parteilosen hielten sich mit jeweils etwa 11 Prozent die Waa- ge.117 Wenn man die charakteristische Zusammensetzung dieses Regiments auf die vorab erwähnte prozentuelle Verteilung der Vergehen umlegt, wird deutlich, dass die höhere Rate an Vergehen unter den Soldaten mit ihrer hö- heren Gesamtzahl prinzipiell korrespondiert. Auch entsprach der Anteil an Partei- und Komsomolmitgliedern in etwa der Verteilung von „amoralischen Erscheinungen“. Dies legt die Schlussfolgerung nahe, dass sich die diversen Verstöße relativ ausgeglichen auf alle Ränge verteilten und dass auch die Par- 116 RGVA, F. 32914, op. 1, d. 132, S. 218–264, hier: S. 246–249, Bericht des Kommandeurs des 336. NKVD-Grenzregiments, Martynov, und des Leiters der Politabteilung des Regiments, Čurkin, an den Leiter der Politabteilung der NKVD-Truppen zum Schutz des Hinterlandes der 3. Ukrainischen Front, Nanejšvili, über den Dienst, die parteipolitische Arbeit, den politisch-moralischen Zustand und die Disziplin des Regiments im 2. Quartal 1945 [Juni 1945]. 117 RGVA, F. 32906, op. 1, d. 156, S. 29, Überblick des Leiters der Politabteilung des 37. NKVD-Grenz- regiments, Major Sudakov, über die zahlenmäßige Zusammensetzung des Regiments per 1. April 1946, 31.3.1946.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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