Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Geschichte
Nach 1918
Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Seite - 380 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 380 - in Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955

Bild der Seite - 380 -

Bild der Seite - 380 - in Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955

Text der Seite - 380 -

I. Ideologie, Disziplin, Strafverfolgung380 Ivan Serov, General der „Smerš“, beschlagnahmte eine Sammlung, zu der angeblich die Krone des belgischen Königs gehörte. Auch andere sowjetische Marschälle, Generäle und führende Geheimdienstmitarbeiter ließen Haushalts- gegenstände, aber auch Gold, Antiquitäten und Gemälde in die Heimat trans- portieren. Allein 60.000 Klaviere, 459.000 Radios und 3,3 Millionen Paar Schuhe kamen auf diesem Weg aus Deutschland in die Sowjetunion. Viele hatten den bolschewistischen Verhaltenskodex der Bescheidenheit und der Abneigung ge- genüber materiellem Reichtum über Bord geworfen. Das besetzte Europa galt als gigantisches „Einkaufszentrum“, in dem man nichts bezahlen musste.255 2.3.2 Demobilisierungslaune und Strafe Wenig überraschend nahm die Disziplin nochmals drastisch ab, sobald die Verlegung, Demobilisierung oder Auflösung einer Einheit bevorstand. In diesen Fällen breitete sich häufig sowohl im Offiziers- als auch im Unteroffi- ziers- und Mannschaftsstand eine sogenannte „Demobilisierungs- und Reor- ganisationslaune“ aus. Im Falle der 61. Schützendivision des 383. Schützen- regiments wären sogar der Kommandeur des Regiments, sein Stellvertreter, der Stab und der Politapparat „dagesessen“ und hätten auf „die Auflösung und Verlegung“ gewartet, kritisiert der NKVD. Als Resultat der „geschwäch- ten Ordnung“ gingen die Soldaten, „wohin sie wollten“, trieben sich auf den Märkten und in „Spelunken“ umher, betrieben Tauschhandel und begingen „amoralische Straftaten“.256 Und: Die Soldaten nahmen mehr in die Heimat mit als bloße Erinnerungen. Die Armeeführung kämpfte mit diversen Mitteln gegen derartige Verstö- ße: Die Bandbreite reichte von Disziplinarstrafen über politische Schulungen und Ausschlüsse aus der Partei bis hin zu mehrjähriger Gefängnis- und La- gerhaft. Eigene Befehle zielten darauf ab, die Plünderungen einzuschränken bzw. möglichst zu unterbinden. „All dies widerspricht grundsätzlich der von der sowjetischen Regierung verfolgten Politik in Österreich“, wurde den Be- satzungssoldaten eindringlich ins Gewissen geredet.257 Weiters wurden stren- 255 Vladislav M. Zubok, A Failed Empire. The Soviet Union in the Cold War from Stalin to Gorbachev. Chapel Hill 2007, S. 9. 256 RGVA, F. 38650, op. 1, d. 1222, S. 110–127, hier: S. 123, Bericht des Leiters der NKVD-Truppen zum Schutz des Hinterlandes der CGV, Generalmajor Kuznecov, und des Leiters der Politabteilung der Truppen, Oberst Šukin, an den stv. Leiter der Hauptverwaltung der Inneren Truppen des NKVD, Generalmajor Skorodumov, über den politisch-moralischen Zustand und die Disziplin in den MVD-Truppen zum Schutz des Hinterlandes der CGV im 1. Quartal 1946, 9.4.1946. 257 CAMO, F. 3415, op. 1, d. 96, S. 160, Befehl Nr. 02442 des Bevollmächtigten des Leiters des Stabes der 18. Panzerdivision, Oberstleutnant Ševčenko, über Maßnahmen zur Verhinderung von Plünderun- gen, 28.8.1945.
zurück zum  Buch Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955"
Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
Geschichte Nach 1918
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Stalins Soldaten in Österreich