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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Seite - 397 -
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2. „Amoralische Erscheinungen“, Straftaten und ihre Verfolgung 397 woraufhin ganze Straßenzüge um das betreffende Geschäft herum abgesperrt und sämtliche Rotarmisten in der Umgebung kontrolliert wurden. In einem Fall endete dies sogar tödlich: Ein Rotarmist wurde bei dem Versuch, sich der Kontrolle zu entziehen und auf einem Motorrad zu flüchten, erschossen.311 Genau ein Jahr später wiederholte sich das Ganze. „Aufgrund des schwa- chen Zustands der erzieherischen Arbeit in einigen Abteilungen und des niederen Bewusstseins einzelner Militärangehöriger“ nutzte ein „beachtli- cher Anteil dieser Soldaten und Unteroffiziere“ die „Besonderheiten unseres Dienstes aus“ und betrank sich. Auslöser einer neuen Welle an Alkoholex- zessen im Herbst 1946 war wiederum der junge Wein, der „in großer Menge“ in die Geschäfte kam und nur „zwei bis fünf Schilling pro Liter“ kostete. Die Schuld traf dabei erneut die Kommandeure der Einheiten und die Politor- gane, die – wie auch im Herbst zuvor – dieses Phänomen „nicht rechtzeitig einkalkuliert und nicht die notwendigen Maßnahmen zur Vermeidung von Trunkenheit ergriffen“ hatten.312 Üblicherweise kamen die Armeeangehörigen bei Trunkenheit mit ziem- lich milden Strafen davon, sofern man ihnen nicht sogar ganz verzieh: In der Regel verurteilte man sie zu mehreren Tagen Arrest. Nur ein „systematischer Verstoß gegen die Militärdisziplin“ zog auch politische Konsequenzen nach sich. Ein Beispiel dafür ist die Vorgehensweise gegenüber dem Rotarmisten Michail Krugljakov, der seit 1943 in den NKVD-Truppen diente. Der zustän- dige Politoffizier charakterisierte den 21-Jährigen als „einen der undiszipli- nierten Soldaten“: Er sei anfällig für Trunkenheit und unerlaubtes Entfernen von der Truppe und neige zu „wilder Ehe mit unbekannten Frauen“. Im März 1945 schoss er sich betrunken in sein Bein, im April war er mehrfach be- trunken, wofür er zwei Tage Arrest als Strafe erhielt. Für Trunkenheit im Juni bestrafte man ihn mit sieben Tagen Arrest. Im Juli, als er sich außerdem un- erlaubt von seinem Posten entfernt hatte, betrug die Strafe bereits zehn Tage. Im August wurde er schließlich nach einem neuerlichen Verstoß gegen die Disziplin aus den Reihen des Komsomol ausgeschlossen. Härtere Maßnah- men sind in seinem Fall nicht überliefert.313 311 RGVA, F. 32914, op. 1, d. 9, S. 312f., hier: S. 312, Bericht des Kommandeurs des 336. NKVD- Grenzregiments, Oberstleutnant Martynov, und des Stabschefs, Major Buškov, an den Leiter der NKVD-Truppen zum Schutz des Hinterlandes der 2. Ukrainischen Front, Generalmajor Kuznezov, 19.7.1945. 312 RGVA, F. 38650, op. 1, d. 1222, S. 193–199, hier: S. 196, Bericht des Leiters der MVD-Truppen zum Schutz des Hinterlandes der CGV, Zimin-Kovalev, und des Leiters der Politabteilung der MVD- Truppen zum Schutz des Hinterlandes der CGV, Oberst Šukin, über den politisch-moralischen Zu- stand und die militärische Disziplin unter den MVD-Truppen im 3. Quartal 1946, 10.10.1946. 313 RGVA, F. 32914, op. 1, d. 132, S. 347, Charakteristik des Zampolit des 336. NKVD-Grenzregiments, Oberstleutnant Privezencev [nach dem 29.8.1945].
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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