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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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I. Ideologie, Disziplin, Strafverfolgung398 Auch Ehrengerichte kamen zum Einsatz, etwa wenn Fälle von Körperver- letzung unter Alkoholeinfluss verhandelt wurden. Als Beispiel kann hierfür eine Schlägerei vom 10. Juni 1945 dienen: Der betrunkene Adjutant der Manö- vergruppe des 25. NKVD-Grenzregiments brach angeblich eine Schlägerei mit den beiden gleichfalls stark alkoholisierten Zugskommandanten, zwei Un- terleutnants, vom Zaun. Letztere verprügelten jedoch den Oberleutnant und ließen ihn in einem Park liegen. Angehörige eines benachbarten Truppenteils brachten den Verletzten in die Sanitätsabteilung seines Regiments. Der Ober- leutnant kam später vor ein Ehrengericht für Angehörige des Offiziersstandes, das ihn aber nicht verurteilte. Einer der Unterleutnants wurde ebenfalls dem Ehrengericht vorgeführt und von diesem aus dem Großen Leninschen Kom- somolzen-Verband ausgeschlossen. Der zweite erhielt als Strafe zehn Tage Hausarrest und wurde „im Namen der Partei zur Verantwortung gezogen“.314 Unverhältnismäßig hart fiel hingegen die Strafe bei einem NKVD-Unter- leutnant namens Toporkov aus. Am 10. Jänner 1946 betrank er sich gemein- sam mit seinen Untergebenen. In alkoholisiertem Zustand verhörte er meh- rere Verhaftete und schlug einem von ihnen mit der Faust ins Gesicht. Der Unterleutnant wurde daraufhin aus der VKP(b) ausgeschlossen und vom Militärtribunal zu sieben Jahren ITL verurteilt.315 Trunkenheit mit Ruhestörung wurde – wie etwa im Fall des Hauptfeld- webels Zolotuchin – mit rund 30 Tagen Haft geahndet. Doch Zolotuchin, der für den Transport sowjetischer DPs in die Heimat zuständig war, versuchte in betrunkenem Zustand, ehemalige sowjetische Zwangsarbeiterinnen zum Geschlechtsverkehr zu bewegen. Die Frauen beschwerten sich bei einem Oberleutnant der Kommandantur. Im Streit wollte Zolotuchin den Oberleut- nant erschießen, verwundete stattdessen aber einen Kameraden tödlich. Das Militärtribunal verurteilte ihn zu acht Jahren Gefängnishaft, die später in die Höchststrafe umgewandelt wurde, und veranlasste die Ausschließung von den Kandidaten der VKP(b). Kritik übte man an seinem Vorgesetzten: Dieser habe von Zolotuchins 30-tägiger Haftstrafe gewusst und wäre somit „unseriös“ bei 314 RGVA, F. 32903, op. 1, d. 345, S. 144–148, Anordnung des Leiters der NKVD-Truppen zum Schutz des Hinterlandes der Südlichen Gruppe der Streitkräfte, Generalmajor Pavlov, und des stv. Leiters der Politabteilung, Oberstleutnant Bondarenko, an die Einheitskommandanten und die Leiter der Politabteilungen zur Disziplinierung der Angehörigen der NKVD-Grenzregimenter, 13.8.1945. Ab- gedruckt in: Karner – Pickl, Die Rote Armee in der Steiermark, Dok. Nr. 129. 315 RGVA, F. 38650, op. 1, d. 1222, S. 110–127, hier: S. 118, Bericht des Leiters der NKVD-Truppen zum Schutz des Hinterlandes der CGV, Generalmajor Kuznecov, und des Leiters der Politabteilung der Truppen, Oberst Šukin, an den stv. Leiter der Hauptverwaltung der Inneren Truppen des NKVD, Generalmajor Skorodumov, über den politisch-moralischen Zustand und die Disziplin in den MVD-Truppen zum Schutz des Hinterlandes der CGV im 1. Quartal 1946, 9.4.1946.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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