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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Seite - 406 -
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I. Ideologie, Disziplin, Strafverfolgung406 berichtete der Kommandeur des 17. NKVD-Grenzregiments.341 Als typisch kann der Fall von „K.“ bezeichnet werden, der „mehreren Angehörigen der sowjetischen Besatzungsmacht auf deren ausdrückliches Verlangen Schnaps und Spiritus verkauft hat. Im September 1945 sind infolge des Genusses von Spiritus zwei russische Soldaten an Alkoholvergiftung verstorben und ein dritter vorübergehend erblindet. Da nun K. kurz vorher mehrere Liter Spi- ritus, der mit Methylalkohol vermischt gewesen sein soll, an die betreffen- den Soldaten verkauft hatte, wurde er von der Besatzungsmacht für den Tod der beiden Soldaten verantwortlich gemacht.“ Die Österreichische Botschaft Moskau brachte in Erfahrung, dass K. „wegen Verbrechens gegen die sowje- tischen Besatzungstruppen zu einer Freiheitsstrafe verurteilt [wurde], die er in der UdSSR verbüßt“.342 Ein ähnliches Schicksal ereilte die drei Mühlviertler Lukas Forstner, Walter Wolny und dessen Vater Albin. Im September 1945 übergab Lukas Forstner seinem Sohn Hans einen Liter Alkohol, den er bei Angehörigen der Roten Armee gegen Lebensmittel eintauschen sollte. Forstner senior, so die spätere Einschätzung des Militärtribunals, sei sich unsicher gewesen, ob der Alkohol genießbar war. Hans Forstner übergab daraufhin den Alkohol seinem Be- kannten Walter Wolny mit der Bitte, dieser möge den Tauschhandel durch- führen. Am 24. September verkaufte schließlich sein Vater Albin Wolny die Flasche einem Unteroffizier der Roten Armee für drei Fleischkonserven. Va- ter und Sohn Wolny sollen angeblich gleichfalls an der Qualität des hochpro- zentigen Getränks gezweifelt haben. Wie sich zeigen sollte, war der Schnaps tatsächlich mit Methylalkohol ver- setzt. Der Unteroffizier, ein Hauptfeldwebel und ein Leutnant trugen schwere Vergiftungen davon, Letzterer starb innerhalb weniger Stunden. Zwei Tage später wurden die involvierten Österreicher verhaftet. Am 17. November 1945 verurteilte das Militärtribunal der 4. Garde-Armee Lukas Forstner sowie Va- ter und Sohn Wolny nach Artikel 139 StGB der RSFSR wegen „fahrlässiger Tötung“ zu drei Jahren ITL. Walter Wolny kehrte 1949, Lukas Forstner erst im Juni 1955 nach Österreich zurück, Albin Wolnys Schicksal ist unbekannt.343 Bemerkenswert erscheint die Einschätzung des Falls durch das Militärge- richt der Baltischen Flotte im September 1998: Die Gerichtsakten zeigten of- 341 RGVA, F. 32902, op. 1, d. 104, S. 240, Operative Tagesmeldung Nr. 00146 des Kommandeurs des 17. NKVD-Grenzregiments, Oberst Pavlov, 30.5.1945. Abgedruckt in: Karner – Pickl, Die Rote Armee in der Steiermark, Dok. Nr. 82. Vgl. Beer, Das sowjetische „Intermezzo“, S. 49. 342 Wie sich später zeigen sollte, war K. bereits im April 1946 an einem Blinddarmdurchbruch ver- storben. Vgl. Knoll – Stelzl-Marx, Sowjetische Strafjustiz in Österreich, S. 310f.; ÖBM, Personalakt Josef K. 343 AdBIK, Datenbank verurteilter österreichischer Zivilisten in der UdSSR.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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