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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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I. Ideologie, Disziplin, Strafverfolgung420 Disziplin“ auseinander. Parallel dazu wurde über die Komsomolschiene eine Untersuchung eingeleitet, inwieweit Čečel’nickij im Bereich des Allunions- verbandes zur Verantwortung zu ziehen war. Schließlich wurde untersucht, ob die beiden Täter dem Gericht des Militärtribunals zu übergeben waren.388 Das Resultat ist gleichfalls bezeichnend: Čečel’nickij schloss man aus dem Komsomolverband aus. Weiters verurteilte das Militärtribunal die zwei Män- ner wegen der Vergewaltigung zu fünf Jahren ITL, was ein durchaus gängi- ges Strafausmaß für diese Tat darstellte. Und schließlich erhielten ihre unmit- telbaren Vorgesetzten, zwei Oberleutnants, jeweils eine strenge Verwarnung. Denn „die Tatsache der Vergewaltigung“, so das stereotype Resümee, „pas- sierte als Folge der Disziplinlosigkeit und Labilität [der beiden Verurteilten] sowie der fehlenden Kontrolle“ seitens ihrer Vorgesetzten. Ob die Österrei- cherin eine Entschädigung erhielt, ist nicht überliefert, kann aber weitestge- hend ausgeschlossen werden.389 Wie eingangs erwähnt, lassen sich zudem die Rahmenbedingungen des Sexualstrafdelikts als charakteristisch bezeichnen: Die Tat passierte in der Nacht, an einem abgelegenen Ort. Die Armeeangehörigen waren zu zweit, wodurch einer – mehr oder weniger – den Mann des Opfers im Auge behal- ten konnte. Die Vergewaltigung fand im Beisein des Ehemannes statt. Letzte- res ist bei zahlreichen sexuellen Übergriffen belegt: Man führte dadurch den Männern ihre eigene Machtlosigkeit vor Augen. Beim Zusehen hatten sie eine der intimsten Entwürdigungen zu erleiden.390 Und die beiden Soldaten waren bereits derart alkoholisiert, dass einer von ihnen, Čečel’nickij, noch am Ort des Verbrechens einschlief. 2.5.5 Sowjetische Reaktion: politische Tragweite Die Tatsache, dass sich die Rote Armee nicht anders verhielt als jede Erobe- rungsarmee der Welt, war insofern besonders peinlich, als sie dem ideolo- gischen Anspruch widersprach, eine Befreiungsarmee zu sein. Auch waren sich die Sowjets der politischen Tragweite von Übergriffen bewusst: „Militär- angehörige, die gegenüber der örtlichen Bevölkerung ein unwürdiges Ver- halten an den Tag legen, haben vergessen, dass die gesamte Rote Armee und 388 Ebd. 389 RGVA, F. 32914, op. 1, d. 132, S. 218–264, hier: S. 243f., Bericht des Kommandeurs des 336. NKVD- Grenzregiments, Martynov, und des Leiters der Politabteilung des Regiments, Čurkin, an den Lei- ter der Politabteilung der NKVD-Truppen zum Schutz des Hinterlandes der 3. Ukrainischen Front, Oberst Nanejšvili, über den Dienst, die parteipolitische Arbeit, den politisch-moralischen Zustand und die Disziplin des Regiments im 2. Quartal 1945 [Juni 1945]. 390 Merridale, Iwans Krieg, S. 348.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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