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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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I. Ideologie, Disziplin, Strafverfolgung440 zu erfüllen hätte und er selbst noch nach Budapest fahren wolle. Eines der Fahrzeuge, die er abliefern hätte müssen, verkaufte er.457 Ein Bericht an die Abteilung für Propaganda und Agitation des ZK der VKP(b) fasste das Delikt der Nicht-Rückkehr in die Heimat als „äußerst ge- fährliche Erscheinung“ folgendermaßen zusammen: „Demobilisierte oder in den Reservestand entlassene Militärpersonen verbleiben unerlaubterweise im Ausland, verkehren mit einer Reihe von Spekulanten und dunklen Gestal- ten, wobei sie auf diese Weise ihre militärische Uniform missbrauchen und in den Schmutz ziehen. Unter Angabe verschiedener Gründe wird ein Abzug mutwillig hinausgezögert. Doch auch andere Formen von List kommen zur Anwendung: Eine Person, die all ihre Demobilisierungsurkunden und den Abzugsbefehl erhalten hat, begibt sich in Spitalsbehandlung, und nach Ab- lauf derselben haben alle bereits auf diese Person vergessen. Die Person lebt über Monate irgendwo an einem geheimen Ort bei Österreichern.“458 Jene, die den Fahnenflüchtigen Hilfe angedeihen ließen, machten sich selbst strafbar. So ließ man mehrere Angestellte des Wiener Ostbahnhofs fest- nehmen, die gefälschte Dokumente für Deserteure der Roten Armee ange- fertigt und als Gegenleistung gestohlene Wertgegenstände erhalten hatten. Im Zuge der Fahndungsaktion stellte sich das Gebiet um den Bahnhof als beliebter Treffpunkt heraus: In einer Privatwohnung entdeckte der NKVD sechs sowjetische Fahnenflüchtige und nahm sie fest. Sie waren angeblich zwei Monate lang verschiedene Städte in Österreich und Ungarn abgefahren, hatten geplündert und vergewaltigt.459 Es stellt sich nun auch die Frage nach den häufigsten Gründen für Desertion. 2.6.5 Gründe für Fahnenflucht Die Ursachen und Anlässe für Desertionen nach Ende der Kampfhandlungen waren vielfältig. Einer der Gründe war die relative Freiheit, die jenseits der Enge von Kasernenmauern, Vorschriften und strengen Reglementierungen des Alltags lockte. Das Leben im Westen erschien manchen so erstrebenswert, dass sie dem Militär und der Heimat den Rücken kehrten. So berichtete die Polit- abteilung der Streitkräfte Anfang Juli 1945, „dass vereinzelte, moralisch insta- bile Soldaten […] die Absicht haben, nach ihrer Demobilisierung dauerhaft in 457 Ebd. 458 Ebd. 459 RGVA, F. 32905, op. 1, d. 166, S. 75–78, hier: S. 77, Bericht des Leiters des Stabes des 24. Grenzregi- ments, Major Galeev, und seines Assistenten, Oberstleutnant Bujal’skij, an den Leiter der NKVD- Truppen zum Schutz des Hinterlandes der CGV über die militärische und operative Tätigkeit des Regiments im Dezember 1945, 31.12.1945.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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