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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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I. Ideologie, Disziplin, Strafverfolgung444 Wegen der Erkrankung an Gonorrhö kehrte auch Garde-Leutnant Nikolaj Šakun nach seiner Demobilisierung im Februar 1946 nicht in die Sowjetuni- on zurück. Er lebte zunächst illegal fünf Monate zusammen mit einer Öster- reicherin in Wien. Aus Angst vor einer Bestrafung rief er schließlich einen sowjetischen Militärarzt über dessen Privatnummer an und ersuchte um ei- nen Termin in dessen Wohnung.471 Dort bat Šakun den Arzt, er möge ihm ein Zertifikat über eine bereits erfolgte mehrmonatige medizinische Behandlung ausstellen. Der Garde-Leutnant wurde allerdings „in die Falle gelockt“, ver- haftet und der „Smerš“ übergeben.472 Manche Soldaten desertierten noch während der Behandlung, zum Beispiel der 1921 geborene Dmitrij Gorel’ko. Der Mannschaftssoldat wurde im August 1945 mit Gonorrhö in die Klinik für Geschlechtskrankheiten Nr. 5543 einge- wiesen, aus der er im Oktober floh. Gemeinsam mit insgesamt 14 anderen De- serteuren aus der Roten Armee bildete er eine „Bande“, die in Österreich und Ungarn bewaffnete Raubüberfälle vor allem in Personenzügen verübte. Zwei Frauen, die sie angeblich bei einer der Militärkommandanturen verraten woll- ten, wurden ermordet. Bei einer Razzia auf dem Wiener Ostbahnhof geriet die Bande in die Fänge des NKVD. Wie die spätere Untersuchung zeigte, litten beinahe alle der 14 Deserteure an Geschlechtskrankheiten.473 Andere Besatzungsangehörige dürften mit dem Leben in der Armee unzu- frieden gewesen sein. Beispielsweise desertierte der Rotarmist Galkin, „weil er nicht in unseren Truppen dienen“ und seine militärische Ausbildung fort- setzen wollte. Drei Monate später war es noch immer nicht gelungen, ihn aus- findig zu machen, obwohl alle NKVD-Einheiten und die „Smerš“ über seine Fahnenflucht informiert worden waren.474 des Stabschefs, Hauptmann Kasavčenko, an den Leiter der NKVD-Truppen zum Schutz des Hin- terlandes der CGV und den Militärrat der 4. Garde-Armee, 21.9.1945. 471 RGVA, F. 32916, op. 1, d. 11, S. 138–144, hier: S. 138, Operative Tagesmeldung Nr. 0016 des Kom- mandeurs des 24. NKVD-Grenzregiments, Oberst Kapustin, und des Stabschefs, Major Galeev, an den Leiter der NKVD-Truppen zum Schutz des Hinterlandes der CGV über die militärische und operativ-dienstliche Tätigkeit des 24. Grenzregiments per 31. Juli 1946 [frühestens am 1.8.1946]. 472 RGVA, F. 32905, op. 1, d. 166, S. 212–216, Bericht des Kommandeurs des 24. NKVD-Grenzregi- ments, Oberst Kapustin, und des Stabschefs, Major Galeev, an den Leiter der NKVD-Truppen zum Schutz des Hinterlandes der CGV über die Resultate einer Operation zur Säuberung Wiens von verbrecherischen Elementen Ende Juli 1946, 31.7.1946. 473 RGVA, F. 32916, op. 1, d. 10, S. 5–9, hier: S. 5f., Bericht des Kommandeurs des 3. Schützen-Batail- lons, Hauptmann Ryskin, und des Stabschefs, Hauptmann Kostylev, an den Kommandeur des 24. NKVD-Grenzregiments, Oberst Kapustin, über die Zerschlagung einer Bande, 10.1.1946; RGVA, F. 32916, op. 1, d. 10, S. 11f., Bericht des stv. Kommandeurs für Aufklärung des 24. Grenzregiments, Hauptmann Golub, über die Zerschlagung einer Bande, 5.1.1946. 474 RGVA, F. 38650, op. 1, d. 1222, S. 110–127, hier: S. 114, Bericht des Leiters der NKVD-Truppen zum Schutz des Hinterlandes der CGV, Generalmajor Kuznecov, und des Leiters der Politabteilung der Truppen, Oberst Šukin, an den stv. Leiter der Hauptverwaltung der Inneren Truppen des NKVD,
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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