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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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I. Ideologie, Disziplin, Strafverfolgung446 der örtlichen Bevölkerung Arbeit, um auf Dauer im Ausland zu leben.“478 Die Ursache lag laut Militärrat auf der Hand: „Die Kommandeure und Politoffi- ziere […] messen diesen Fakten nicht die notwendige politische Bedeutung bei, in der durchgeführten parteipolitischen Arbeit berücksichtigen sie nicht die Besonderheiten der uns umgebenden Verhältnisse, die Neuzugänge un- tersuchen sie schlecht, die Stimmung der Männer kennen sie nicht, und die schmachvollen Fakten der Desertion verhindern sie nicht.“479 Ein dreiteiliger Maßnahmenkatalog sollte Abhilfe schaffen: Erstens erhielten die Leiter der Politorgane in der Armee den Befehl, die vorgefallenen Desertionen genau zu untersuchen, die Gründe und die Schul- digen, „welche die Verbrechen zugelassen hatten“, zu eruieren und vor allem jene Kommandeure und Politoffiziere zur Verantwortung zu ziehen, „die leichtsinnig mit den Fakten der Desertion umgingen, die nicht die militäri- sche Ordnung in ihren Einheiten und Abteilungen aufrechterhalten konn- ten“. Zweitens waren die Kommunisten und Komsomolzen zu aktivieren, die nicht nur die Stimmung der Soldaten analysieren, sondern sich auch beson- ders um die Neuzugänge kümmern sollten. In jenen Einheiten, in denen es bereits zu Desertionen gekommen war, sollten sie Partei- und Komsomolver- sammlungen einberufen. Drittens mussten den Soldaten, insbesondere den Neuzugängen, im Rah- men von Politinformationen und Gesprächen nochmals die Gesetze der sow- jetischen Regierung über Vaterlandsverräter, also Deserteure, nähergebracht werden. Mitarbeiter der Militärtribunale und Staatsanwaltschaften sollten dabei über ihre Arbeit und sicherlich auch über die Strafen, die einen wieder aufgegriffenen Fahnenflüchtigen erwarteten, sprechen.480 Die Argumentation des Militärrates war nicht neu. Bereits zuvor hatte man auf hoher Armee- und NKVD-Ebene vor allem der schwachen erzieherischen Arbeit mit den Armeeangehörigen und den verantwortlichen Offizieren, die ihre Männer nicht ausreichend beobachteten, die Schuld gegeben. Doch auch eine generelle Lockerung der Disziplin, mangelnde Kontrolle seitens ihrer Vorgesetzten und der Umstand, dass die Soldaten häufig sich selbst über- lassen worden seien und „machten, was sie wollten“, hätten zur Desertion geführt – ein Faktum, „das unsere Truppen blamiert“. Als Gegenmaßnahme wollte man offensichtlich versuchen zu verhindern, dass die Soldaten „auf 478 RGVA, F. 32905, op. 1, d. 291, S. 229, Bericht des Mitglieds des Militärrates der CGV, Generalleut- nant K. Krajnjukov, und des Leiters der Politverwaltung der CGV, Generalmajor F. Jašečkin, an die Leiter der Politabteilungen der Armee und Korps über Desertionen, 1.9.1945. 479 Ebd. 480 Ebd.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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