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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Seite - 484 -
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II. Vergewaltigungen, Beziehungen, Kinder 484 zierten. Doch untersagte bereits ein im November 1944 erlassener Befehl die Behandlung von Militärangehörigen in ausländischen Spitälern und bei pri- vaten Ärzten. Allgemein dürfte das Problem in der Armee auch von der Füh- rungsebene unterschätzt worden sein. Denn der Chef der NKVD-Truppen zum Schutz des Hinterlandes der 3. Ukrainischen Front, Generalmajor Pav- lov, musste erst anordnen, die „Geschlechtskrankheiten in unseren Truppen als höchst ansteckende, seuchenartige Erkrankung anzusehen“. Wegen der Gefahr einer weiteren Zunahme der Infektionsfälle und der bereits akuten Er- krankungsrate an Syphilis definierte er den „Kampf gegen Geschlechtskrank- heiten“ als „eine unserer wesentlichsten Aufgaben“. Dies verlangte neben einer „konsequenten und allumfassenden Durchführung prophylaktischer Maßnahmen auch eine Umsetzung der mit diesen untrennbar verbundenen medizinischen Maßnahmen“, so Pavlov.61 Gerade im medizinischen Sektor existierten zahlreiche Mängel. Erst mit 1. Juni 1945 sollte ein verpflichtendes System zur Behandlung venerisch erkrank- ter Armeeangehöriger mit einheitlichen Krankenkarten für Geschlechtskrank- heiten eingeführt werden, wobei fortan ausschließlich diese Karten als einzig gültige Dokumente für die Aufnahme einer Behandlung zu dienen hatten. Doch auch diese Neuerung griff nur langsam, wie ein weiterer, Mitte Juni er- lassener Befehl zeigt.62 Weder stellten Laboruntersuchungen noch die Konsul- tation eines Venerologen bzw. Gynäkologen beim Verdacht auf eine veneri- sche Erkrankung eine Selbstverständlichkeit dar. Auch musste auf regelmäßige medizinische Untersuchungen des Mannschaftsstandes etwa beim Aufsuchen der Waschräume zur Erkennung einer Infektion eigens hingewiesen werden. Medikamente zur einschlägigen Behandlung fehlten häufig. Da rüber hinaus mussten die Versorgung der Einheiten mit „Utensilien zur Selbstprophylaxe“ und eine Kontrolle über deren Verteilung gleichfalls erst eigens angeordnet werden. Darunter verstand man insbesondere die Verwendung von Präserva- tiven, was in der Roten Armee während des Krieges eher eine Ausnahme dar- gestellt hatte. Im Mai 1945 ließ man sämtliche weibliche Angehörige etwa des 17. NKVD-Grenzregiments gynäkologisch untersuchen.63 61 RGVA, F. 32904, op. 1, d. 191, S. 84–86, hier: S. 84, Anordnung des Chefs der NKVD-Truppen zum Schutz des Hinterlandes der 3. Ukrainischen Front, Generalmajor Pavlov, und des Leiters des Sa- nitätsdienstes, Oberstleutnant Golovachin, an den Kommandanten des 17. NKVD-Grenzregiments über den Umgang mit Geschlechtskrankheiten, 10.5.1945. Abgedruckt in: Karner – Pickl, Die Rote Armee in der Steiermark, Dok. Nr. 34. 62 RGVA, F. 32902, op. 1, d. 191, S. 108, Anordnung des Leiters des Sanitätsdienstes der NKVD-Trup- pen zum Schutz des Hinterlandes der 3. Ukrainischen Front, Oberstleutnant Golovachin, an den Leiter des Sanitätsdienstes des 17. NKVD-Grenzregiments über die Verwendung von Krankenkar- ten bei Geschlechtskrankheiten, 12.6.1945. 63 RGVA, F. 32902, op. 1, d. 191, S. 88, Anordnung des Leiters des Sanitätsdienstes der NKVD-Trup-
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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