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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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II. Vergewaltigungen, Beziehungen, Kinder 500 lich frei. Aber man hat halt sehr vorsichtig sein müssen, nicht? Man ist gleich verschleppt worden. Und da hat er mir das Bild gegeben und hat gesagt, das soll ich mitnehmen. Wenn irgendwas wäre, wahrscheinlich, dass ich’s vor- weisen kann.“122 Hierbei spricht Romana Steinmetz indirekt gleich mehrere signifikante As- pekte von Liebesbeziehungen mit Besatzungssoldaten an: Denisov entsprach nicht den negativen Vorstellungen, die „man“ sich „immer“ – in der NS-Zeit und danach – von sowjetischen Soldaten gemacht hatte. Dabei hatte das Ver- halten der Besatzungsmacht diese Ängste noch verstärkt, wobei sie hier ex- plizit Verschleppungen und implizit Vergewaltigungen erwähnt. Trotz ihrer persönlichen positiven Erfahrung revidierte sie allerdings nicht ihr generelles Feindbild. Außerdem betont sie, sie wäre „eigentlich frei“, also ohne eine Be- ziehung zu einem anderen Mann, gewesen und hätte „nur mit ihm Verbin- dung gehabt“. Ihre aus „Vernunftgründen“ mit einem Deutschen während des Krieges geschlossene Ehe hatte nur zwei Wochen gedauert. Dies soll of- fensichtlich ihre moralische Integrität hervorheben und sie vor dem Vorwurf schützen, sie hätte sich leichtfertig mit „Russen“ eingelassen. Gleichzeitig un- terstreicht sie seine – zumindest von ihm intendierte – Funktion als Beschützer vor Übergriffen durch andere sowjetische Militärangehörige. „Wenn irgend- was [gewesen] wäre“, hätte sie sein Foto zu ihrer Verteidigung vorweisen kön- 122 OHI, Romana Steinmetz. Durchgeführt von Barbara Stelzl-Marx. Baden 20.5.2005. Abb. 67: Der sowjetische Nachschuboffizier Pavel Denisov gab seiner österreichischen Freundin dieses Foto zum Andenken, aber auch als Schutz vor möglichen Übergriffen. Auf der Rückseite trägt es die russische Widmung: „Der liebsten Romana zur Er- innerung von Pavlik. Erinnere dich an die vergangene Zeit, wenn wir nicht zusammen sind. Mögen die Wellen des Lebensmeeres die Erinnerung an mich nicht hinwegspü- len. 21.5.1946 Baden.“ (Quelle: Sammlung Stelzl-Marx, Bestand Steinmetz)
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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