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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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2. Liebesbeziehungen und ihre Folgen 511 hungen mit Besatzungssoldaten des ehemaligen Feindes beinhalteten daher häufig eine rassisch-ideologische Komponente. Als besonders verwerflich galten Affären mit „gänzlich fremden“ Männern: den schwarzen GIs, den Marokkanern, den „Mongolen“, aber auch – ganz pauschal – den „Russen“.160 Das NS-Feindbild von den „wilden Horden aus dem Osten“, das durch die Übergriffe der Roten Armee zu Kriegsende noch verstärkt worden war, führ- te vielfach zu einer Diskriminierung von „Russenliebchen“. Unter den Bedingungen des „Untergangs“ gesellte sich zur „rassischen“ Überschreitung die „nationale“ verschärfend hinzu. Der Lebensstil einer „Be- satzungsbraut“ galt aus der Wahrnehmungsperspektive der Bevölkerung als Verrat an der – im oder durch den Nationalsozialismus geformten – „Volks- gemeinschaft“, einem Modell, von dem man sich gefühlsmäßig erst ansatz- weise verabschiedet hatte. Parallel dazu propagierten die neuen demokra- tischen politischen Eliten die schnell formulierte identifikatorische Lösung „wir Österreicher“. Kontakte zu ausländischen Soldaten interpretierte man daher als ein bedrohliches Sich-Herausnehmen des „Wir“. Dabei wirkte die während der NS-Zeit gepflegte Segmentierung „wir und die anderen“ oder „wir und die Fremden“ weiter.161 Zudem brachte die Abwesenheit vieler Männer das in der Familieneinheit konservierte Sicherheitsgefüge des Staates durcheinander und exponierte weibliche Sexualität: Aus sexueller „Untreue“ wurde „nationale Untreue“.162 In der öffentlichen Meinung grenzte das Verhalten von Frauen, die „sich mit dem Feind eingelassen hatten“, an Verrat: sei es an der Heimat, den Männern, die gefallen, in Kriegsgefangenschaft oder vermisst waren, oder an den durch die jahrelange NS-Propaganda geprägten Moralvorstellungen.163 2.2.1 Praktiken der Ausgrenzung Vor diesem Hintergrund war das Beziehungsdreieck zwischen österreichi- schen Frauen, österreichischen Männern und Besatzungssoldaten emotional besonders aufgeladen. Die militärische Niederlage hatte zahlreiche ehema- lige Wehrmachtssoldaten in ihrem Selbstwertgefühl und ihrer männlichen 160 Bauer – Huber, Sexual Encounters across (Former) Enemy Borderlines, S. 86. 161 Ingrid Bauer, Die „Ami-Braut“ – Platzhalterin für das Abgespaltene? Zur (De-)Konstruktion eines Stereotyps der österreichischen Nachkriegsgeschichte 1945–1955, in: L’Homme. 1996/1, S. 107–121, hier: S. 113. 162 Anette Brauerhoch, „Fräuleins“ und GIs. Geschichte und Filmgeschichte. Frankfurt am Main – Ba- sel 2006, S. 81–83. Vgl. dazu auch: Maria Höhn, GIs and Fräuleins. The German-American Encoun- ter in 1950s West Germany. North Carolina 2002. 163 Lee, Kinder amerikanischer Soldaten in Europa, S. 339f.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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