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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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II. Vergewaltigungen, Beziehungen, Kinder 514 sche Kabarettist Oscar Bronner berief sich 1960 in seinem berühmten, von Louise Martini vorgetragenen Chanson „Chesterfield-Girl“ auf dieses stig- matisierende Klischee: „Ich rauch immer Chesterfield, ohne überlegen, angfangt hat’s vor vielen Jahr’n, als die Ami war’n in Wien. Damals war a Chesterfield für mich ein Vermögen. Und die Menschen legen für ein Vermögen sehr viel hin. Und so legte ich mich hin für an netten GI, den traf ich in einer Bar, und ich kriegte einen Gin, Zigaretten und dann, wie es halt so üblich war, an Raucherkatarrh. […] Dann fand ich einen lieben, doch blöden Korporal, der nahm mich mit nach drüben und wurde mein Gemahl.“170 Verbale Formen der Diskriminierung gegenüber Frauen mit Beziehungen zu sowjetischen Besatzungssoldaten waren etwa „russisches Soldatenliebchen“, „Russenflitscherl“ oder „Russenhure“. Diese abwertende Einschätzung fin- det sich noch heute in der Alltagswahrnehmung und -erinnerung.171 So be- tonte etwa der Sohn einer Oststeirerin, die 1945 durch Angehörige der Roten Armee vergewaltigt worden war, bezüglich Liebesbeziehungen zwischen Österreicherinnen und sowjetischen Soldaten hämisch: „Da haben sich jene gefreut, die sonst keinen gekriegt haben.“172 2.2.2 Tabuisierung Die Stigmatisierung – oder die Angst davor – führte dazu, dass manche Frau- en ihre Beziehung zu einem Besatzungssoldaten zu verheimlichen suchten. Romana Steinmetz etwa erzählte nur ihrer Mutter von ihrem russischen Freund: „Ich hab das verschwiegen. Erstens einmal bin ich Badenerin gewe- sen, und da haben mich sehr viele gekannt, auch die Geschäftsleute rundhe- rum, und dann war ja das eigentlich verboten damals. […] Und so hab ich keine Schwierigkeiten gehabt, ich hab meinen Dienst gemacht, bin dreißig Jahre beim Finanzwesen gewesen.“173 Sie impliziert damit, dass sie ihre gute Position im öffentlichen Dienst verloren hätte, wäre die Wahrheit ans Licht gekommen. Selbst ihrem Sohn verschwieg sie jahrzehntelang, dass sein Vater 170 Zit. nach: Berger – Holzer, Trümmerfrauen, S. 187. 171 Stelzl-Marx, Freier und Befreier, S. 434. 172 OHI, Rosa K. 173 OHI, Steinmetz.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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