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II. Vergewaltigungen, Beziehungen, Kinder
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sche Kabarettist Oscar Bronner berief sich 1960 in seinem berühmten, von
Louise Martini vorgetragenen Chanson „Chesterfield-Girl“ auf dieses stig-
matisierende Klischee:
„Ich rauch immer Chesterfield, ohne überlegen,
angfangt hat’s vor vielen Jahr’n, als die Ami war’n in Wien.
Damals war a Chesterfield für mich ein Vermögen.
Und die Menschen legen für ein Vermögen sehr viel hin.
Und so legte ich mich hin für an netten GI, den traf ich in einer Bar,
und ich kriegte einen Gin, Zigaretten und dann,
wie es halt so üblich war,
an Raucherkatarrh. […]
Dann fand ich einen lieben, doch blöden Korporal,
der nahm mich mit nach drüben und wurde mein Gemahl.“170
Verbale Formen der Diskriminierung gegenüber Frauen mit Beziehungen zu
sowjetischen Besatzungssoldaten waren etwa „russisches Soldatenliebchen“,
„Russenflitscherl“ oder „Russenhure“. Diese abwertende Einschätzung fin-
det sich noch heute in der Alltagswahrnehmung und -erinnerung.171 So be-
tonte etwa der Sohn einer Oststeirerin, die 1945 durch Angehörige der Roten
Armee vergewaltigt worden war, bezüglich Liebesbeziehungen zwischen
Österreicherinnen und sowjetischen Soldaten hämisch: „Da haben sich jene
gefreut, die sonst keinen gekriegt haben.“172
2.2.2 Tabuisierung
Die Stigmatisierung – oder die Angst davor – führte dazu, dass manche Frau-
en ihre Beziehung zu einem Besatzungssoldaten zu verheimlichen suchten.
Romana Steinmetz etwa erzählte nur ihrer Mutter von ihrem russischen
Freund: „Ich hab das verschwiegen. Erstens einmal bin ich Badenerin gewe-
sen, und da haben mich sehr viele gekannt, auch die Geschäftsleute rundhe-
rum, und dann war ja das eigentlich verboten damals. […] Und so hab ich
keine Schwierigkeiten gehabt, ich hab meinen Dienst gemacht, bin dreißig
Jahre beim Finanzwesen gewesen.“173 Sie impliziert damit, dass sie ihre gute
Position im öffentlichen Dienst verloren hätte, wäre die Wahrheit ans Licht
gekommen. Selbst ihrem Sohn verschwieg sie jahrzehntelang, dass sein Vater
170 Zit. nach: Berger – Holzer, Trümmerfrauen, S. 187.
171 Stelzl-Marx, Freier und Befreier, S. 434.
172 OHI, Rosa K.
173 OHI, Steinmetz.
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Stalins Soldaten in Österreich
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Stalins Soldaten in Österreich
- Subtitle
- Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
- Author
- Barbara Stelzl-Marx
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2012
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78700-6
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 874
- Categories
- Geschichte Nach 1918