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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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II. Vergewaltigungen, Beziehungen, Kinder 534 schreiten konnte, verlor ihren Enkel für mehr als zehn Jahre aus den Augen. H. L. wuchs schließlich im kurz zuvor von Hermann Gmeiner gegründeten SOS-Kinderdorf in Ti- rol und später in Hinterbrühl auf. Erst als er etwa 13 Jahre alt war, konnte ihn seine nun in Italien wohnhafte Großmutter ausfindig machen und ihm Genaueres über seine Mut- ter, an die er sich nicht mehr erinnern konn- te, erzählen. Im April 2009 erfuhr H. L. nicht nur die wahren Hintergründe über das „Ver- schwinden“ seiner Mutter, sondern auch von der Hinrichtung seines Vaters, dessen Name ihm bis dahin nicht bekannt gewesen war.250 Über Memorial Moskau und das Ludwig Boltzmann-Institut für Kriegsfolgen-For- schung erhielt er auch das bisher einzige Foto seines Vaters – aus dessen Strafprozessakt. 3.2.1 Wirtschaftliche Probleme Nicht zuletzt spielten wirtschaftliche Probleme eine Rolle: Die Mütter waren häufig alleinerziehend und mussten selbst für ihren Unterhalt sowie den ihres Kindes aufkommen. Die in die Sowjetunion zurückgekehrten Väter konnten – so ihre Adresse überhaupt bekannt war – nicht zu Alimentationszahlungen he- rangezogen werden. Nichtsdestotrotz standen die Mütter mehrheitlich zu ihren Kindern: Von österreichweit 603 Frauen, die die Fürsorge aufgefordert hatte, ihre Kinder zur Adoption freizugeben, erklärten sich nur 92 dazu bereit.251 Bezeichnenderweise wuchs Renate M. bei Pflegeeltern auf, nachdem ihre Mutter einen Österreicher geheiratet hatte: „Meine Kindheit und meine Ju- gend waren mehr als schwer, da ich als Kind eines fremden Besatzers in die- sem kleinen Ort natürlich diskriminiert wurde. Meine Mutter hat 1952 einen Mann aus dem Dorf geheiratet, und ich konnte aufgrund meiner Abstam- mung nicht in der Familie bleiben, da ich das Hassobjekt meines Stiefvaters 250 Louzek, Freundliche Auskunft. Herbert Lackner, „Jetzt ist auch die Hoffnung gestorben“. Zeitge- schichte. Nach dem Fall der Berliner Mauer und des Eisernen Vorhangs öffneten sich langsam auch die Geheimarchive. Viele Familien erfahren erst jetzt vom grausamen Tod ihrer in die Sowjetunion verschleppten Angehörigen“, in: Profil 46, 9.11.2009, S. 18–23. 251 Srncik, Besatzungskinder – ein Weltproblem, S. 5; Stelzl-Marx, Freier und Befreier, S. 441. Abb. 74: Durch die Hinrichtung beider Elternteile wurde das Besat- zungskind H. L. zur Vollwaisen. (Quelle: Sammlung Stelzl-Marx, Bestand H. L.)
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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