Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Geschichte
Nach 1918
Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Seite - 543 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 543 - in Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955

Bild der Seite - 543 -

Bild der Seite - 543 - in Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955

Text der Seite - 543 -

3. Besatzungskinder 543 das Foto von zwei seiner Schwestern: „Und das ist ja eigentlich auch meine Hoffnung, denn ich denke, die Schwestern werden wahrscheinlich geheiratet haben, und es wird wieder Söhne und Töchter und dann höchstwahrschein- lich wieder Söhne und Töchter geben. Und ich denke, dass ich da Verwandte habe. […] Ich würde mich sehr freuen, wenn ein Kontakt, wenn das möglich ist, wenn ein Kontakt zustande kommen kann.“280 Erfahrungsgemäß wissen die Kinder sowjetischer Besatzungssoldaten nicht, ob ihr Vater noch am Leben oder bereits verstorben ist. Je mehr Zeit verstreicht, desto unwahrscheinlicher wird es allerdings, bei einer geglück- ten Suche den Vater lebend anzutreffen. Doch auch diese offene Frage sollte geklärt werden, meint Angelika Miermeister, 1947 in Jessen/Elster geboren: „Wenn er nicht mehr lebt, wünsche ich mir, an seinem Grab von ihm und unserer gemeinsamen Geschichte Abschied zu nehmen.“281 Im Gegensatz zu den meisten Betroffenen verfügt sie über zahlreiche Erin- nerungsstücke an ihren Vater, der ihr den Kosenamen „Sputnikchen“ verlieh: „Ich meine, dass ich einen großen Schatz habe. Ich habe Briefe von meinem Vater, ich habe Bilder von meinem Vater, und das haben viele Menschen nicht. Das finde ich schon ganz wichtig. Schon ein Stück gelebtes Leben, wel- ches ich schriftlich fixiert habe.“282 Doch möchte sie wissen, was nach 1961, als der ab 1958 geführte Briefwechsel abrupt abbrach, mit ihm geschah. Die Auseinandersetzung mit diesem Thema und die Vorbereitung eines Suchauf- rufes für die russische Fernsehsendung „Ždi menja“ stellten eine Herausfor- derung dar: „Lange genug hat dieses Projekt ja nun schon gedauert. Dabei habe ich erst gemerkt, wie viel ich noch aufzuarbeiten habe. Es war für mich sehr anstrengend, und viele Tränen sind geflossen. Es gab auch jetzt bei der Vorbereitung auf den Videodreh Tage, an welchen ich einfach die Briefe und Bilder nicht sehen konnte. Nun ist alles fertig.“283 In diesem Fall dürfte die mehrjährige, intensive Korrespondenz möglich gewesen sein, weil ihre Mutter in der DDR lebte und ihr Vater über gute Deutschkenntnisse verfügte. Zumindest während der Besatzungszeit und in den ersten beiden Jahrzehnten danach war eine briefliche Kontaktaufnah- me mit Frauen in Österreich jedoch kaum möglich. Zu groß dürfte die Angst seitens der ehemaligen hier stationierten Militärangehörigen gewesen sein, Briefe an „westliche“ Frauen würden Repressalien in ihrer sowjetischen Hei- mat nach sich ziehen. So sind vielen der „Besatzungskinder“ die persönlichen 280 OHI, Monika G. 281 Sammlung Barbara Stelzl-Marx, Suchaufruf von Angelika Miermeister. Berlin 22.7.2008. Das Video wurde als Suchaufruf für die Sendung „Ždi menja“ aufgenommen. 282 Ebd. 283 Angelika Miermeister, Schreiben an Barbara Stelzl-Marx. Berlin 22.7.2008.
zurück zum  Buch Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955"
Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
Geschichte Nach 1918
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Stalins Soldaten in Österreich