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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Seite - 553 -
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3. Besatzungskinder 553 gewaltig nervös vorher. Aber als mir die Fernsehregisseurin, bevor ich auf die Bühne ging, auf einem Monitor meinen Vater gezeigt hat, da ist die ganze Nervosität einer riesigen Freude gewichen!“312 Ein halbes Jahr später besuchte Gerhard Verosta seine „neue“ Familie in Ufa im Ural, die ihn herzlich auf- nahm: „Diese Menschen bringen mir so eine Herzlichkeit und menschliche Wärme entgegen, dass ich mich voll in ihre Familie aufgenommen fühle – so voll, dass ich nunmehr von meiner Familie spreche, denn ich war ja immer ein Einzelkind. […] Vater hat eine große Verwandtschaft. Der ganze Clan be- steht aus 35 oder 37 Personen (irgendwann habe ich zu zählen aufgehört) und einige davon leben in Oktjabriskij. Jede der Familien lud mich ein und wieder erlebte ich dieses wunderbare Gefühl, voll akzeptiert und aufgenommen zu werden. Picknick am See, Ausflüge in den Wald, Baden in einer Banja und immer wieder sehr gutes Essen bestimmten den Tagesablauf. Ich spürte das Bemühen aller, dass ich mich nur ja wohlfühle.“313 Auch der Gegenbesuch von Verostas Halbbruder Anatolij und dessen Frau Tamara sowie deren Tochter Ksenija stellte eine „wunderbare Erfahrung“ dar: „Wir erlebten eine Harmonie, die vor dem Besuch für uns undenkbar war. […] Wir haben uns mit ihnen sehr wohlgefühlt und sehr viele Gemeinsam- keiten festgestellt. Unser Kontakt hat sich nun so intensiviert, dass wir uns wöchentlich per E-Mail, SMS und Briefen mitteilen.“ Seinem Vater bedeutet dieser intensive Kontakt viel, ist Verosta überzeugt: „Seit Vater weiß, dass sich seine Söhne gut vertragen, hat er innere Ruhe gefunden. Er ist trotz seiner 85 Jahre geistig voll auf der Höhe. Sicher werde ich im kommenden Jahr wieder zur Familie reisen. Ich richte mich nach den Gegebenheiten.“314 Ein Wiedersehen zwischen den Eltern fand nicht mehr statt. Pavel Denisov wollte Romana Steinmetz zwar in Österreich besuchen, doch lehnte diese aus gesundheitlichen Gründen ab. Er sollte sie so in Erinnerung behalten, wie sie nach Kriegsende gewesen war. Sie verstarb am 4. Jänner 2007.315 Ähnlich verlief die Suche des ehemaligen sowjetischen Besatzungssol- daten Viktor G., der gleichfalls seine „österreichische Familie“ ausfindig machen wollte. Er bat „Ždi menja“ um Unterstützung und erhielt über die österreichische Botschaft Moskau die Kontaktdaten von Maria F., mit der er in Niederösterreich eine mehrmonatige Liebesbeziehung eingegangen war. Nach seiner Demobilisierung war jede Verbindung abgebrochen, da er sonst „in diesen schrecklichen Jahren“ verhaftet worden wäre, ist Viktor G. über- 312 Otto Klambauer, Mit 58 Jahren den Vater gefunden. Sohn eines ehemaligen sowjetischen Besat- zungssoldaten: „Eine riesige Freude“, in: Kurier, 6.7.2005, S. 11. 313 Gerhard Verosta, Elektronische Nachricht an Barbara Stelzl-Marx. 21.12.2005. 314 Gerhard Verosta, Elektronische Nachricht an Barbara Stelzl-Marx. 10.11.2006. 315 Sammlung Barbara Stelzl-Marx, Bestand Steinmetz.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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