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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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III. Alltag, Freizeit, Besatzungsritual588 der Familie bedeutete: „Voroncov, Kommandant von Eisenstadt (später nach Amstetten versetzt), war oft auf Besuch. Seine Tochter wohnte bei uns, weil es in Eisenstadt keine russische Schule gab. Jedes Wochenende sind wir nach Eisenstadt gefahren und spazieren gegangen, damit sie die Eltern sieht“,104 erinnert sich Lidia Krišanovskaja an ihre Schulzeit in Baden. Eine zentrale Aufgabe des Lehrkörpers bestand darin, „ein gutes Kinderkollektiv“ heran- zuziehen.105 Hingegen wurde von offizieller Seite wenig Wert darauf gelegt, dass die Offizierskinder die Landessprache lernten. „Alle russischen Schulen hatten eine Nummer. Die mit der geraden Nummer lernten Englisch als Fremd- sprache, die mit der ungeraden Deutsch. Ich war in der englischen Schule, aber Domec, der Lehrer, konnte auch Deutsch. Im Unterricht brachte er uns manchmal heimlich noch ein bisschen Deutsch bei, damit wir wenigstens ein- kaufen gehen konnten.“106 Mit der Einrichtung einer „russischen Mittelschule“ in Wien befasste sich Anfang 1946 sogar das Sekretariat des ZK der VKP(b). Demnach sollte Konev gestattet werden, per 1. Februar 1946 eine Schule mit kostenpflichtigem In- ternat für Kinder von Militärangehörigen und Mitarbeitern der SČSK zu er- öffnen, die unter der Kontrolle der „Gruppe für Volksbildung“ der SČSK zu stehen hatte. Ein Direktor und insgesamt vier Lehrer für Physik, Mathematik und Geografie sollten nach Wien entsandt und 1000 Bücher für die Schul- bibliothek bereitgestellt werden. Als Bedarf an Schulbüchern wurden 2000 Exemplare angegeben. Für die laufenden Ausgaben hatte das Volkskommis- sariat der UdSSR die benötigten Mittel flüssigzumachen.107 Nur ein halbes Jahr später widmete sich das Sekretariat des ZK der VKP(b) erneut diesem Thema. Diesmal sollte der Politischen Hauptverwaltung GlavPU gestattet werden, insgesamt 20 Mitarbeiter des Bildungsministeri- ums der RSFSR in der Zeit vom 5. bis zum 20. August 1946 auf Dienstreise ins Ausland zu schicken, damit sie die an sowjetischen Schulen im Ausland arbeitenden Lehrer in Methodik unterrichten konnten. Jeweils fünf Personen waren zur CGV nach Österreich, zu den sowjetischen Besatzungstruppen in Deutschland sowie zur Südlichen bzw. Nördlichen Gruppe der Streitkräfte zu entsenden.108 Als Begründung hieß es, der Lehrkörper würde zu einem 104 Ebd. 105 Končilas razluka, in: Za čest’ Rodiny, 20.2.1947, S. 6. 106 Maurer, Befreiung? – Befreiung!, S. 72. 107 RGASPI, F. 17, op. 116, d. 247, S. 30f., Beschluss Nr. 247 (153) des Sekretariats des ZK der VKP(b) über die Eröffnung einer Mittelschule in Wien für Kinder von Militärangehörigen und Mitarbeitern der SČSK, 31.1.1946. 108 RGASPI, F. 17, op. 116, d. 268, S. 35, Beschluss Nr. 268 (192) des Sekretariats des ZK der VKP(b) über
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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