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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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2. Freizeit, Erholung, Urlaub Die Besatzungsangehörigen genossen genügend Freiheiten, um zumindest peripher am österreichischen Leben teilnehmen zu können. Erkundungen von Wien, dem Wienerwald, der näheren Umgebung, aber teilweise auch der westlichen Besatzungszonen gehörten ebenso dazu wie ein reges Kultur- programm und sportliche Aktivitäten. Nicht immer ist die Grenze zwischen tatsächlicher Freizeit und organisiertem Programm eindeutig zu ziehen, zu- mal das Militärkommando um eine möglichst strukturierte Zeiteinteilung bemüht war. Die Militärdienstleistenden sollten „maximal“ mit Dienst und Unterricht überhäuft werden, um ihnen möglichst wenig Freiraum zu las- sen.112 „Freiraum“, so die implizierte Schlussfolgerung, würde unwillkürlich zu Disziplinlosigkeit, dem zentralen Problem in der Armee, führen. Ein Artikel in der „Österreichischen Zeitung“, dem Sprachrohr der sow- jetischen Besatzungsmacht in Österreich, zeigt Besatzungsangehörige beim Handballspiel („Sport stählt den Körper“), bei einem Besuch des Wiener Zoos, auf „Wildentenjagd in der Freizeit“, beim Schachspielen zur „geistigen Entspannung“ oder im Leseraum einer Kaserne. Geografieunterricht, Zei- tungslektüre nach einem „ausgedehnten Übungsflug“ und militärische Schu- lungen („Ein Frontkämpfer lehrt die Handhabung eines Maschinengewehrs“) rundeten das aus sowjetischer Sicht ideale Bild über „Die Rote Armee im Frieden“ ab.113 Doch täuschte das scheinbar friedliche Bild. Auch bei der Jagd und Fischerei prallten die unterschiedlichen Interessen und Wahrnehmungen von sowjetischer bzw. österreichischer Seite immer wieder aufeinander. 2.1 Jagd und Fischerei „Die Übergriffe der Besatzungstruppen nehmen ständig zu, sodass von der Durchführung eines geordneten Jagdbetriebs keine Rede mehr sein kann. Wenn nicht ehestens im Sinne der unterbreiteten Vorschläge Abhilfe gebracht wird, gehen die noch verbleibenden Reste der Wildbestände unausbleiblich der Vernichtung entgegen.“114 Mit diesen drastischen Worten wandte sich der 112 RGVA, F. 32902, op. 1, d. 101, S. 57f., Bericht des Bevollmächtigten des Leiters der NKVD-Truppen zum Schutz des Hinterlandes der Südlichen Gruppe der Streitkräfte, Oberst Semenenko, und des stv. Stabschefs, Oberstleutnant Počuev, an die NKVD-Einheiten über Desertion und unerlaubtes Entfernen von der Truppe, 30.8.1945. 113 Die Rote Armee im Frieden, in: Österreichische Zeitung, 23.2.1946, S. 12. 114 OÖLA, BH Perg, Schachtel 51, 1948, Abt. VII, Agrarische Angelegenheiten, Schreiben des Leiters der Außenstelle Mühlviertel des Jagdverbandes an das Amt der oberösterreichischen Landesregie- rung über die Jagdausübung der sowjetischen Besatzungsmacht, 14.6.1948.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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