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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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III. Alltag, Freizeit, Besatzungsritual606 Garnisonen, die sich im Ausland aufhielten, einen besonderen Platz bei der ideologischen Schulung der Offiziere“ einnehmen.183 Ab dem Frühjahr 1946 zog allerdings der damalige Leiter des Hauses, Major Vostokov, mehrfach die Kritik von Parteimitgliedern auf sich: Die „bourgeoise, ideologisch-feindliche Kunst“ habe sich in der Wiener Offi- ziersmesse breitgemacht. Bei den einzelnen Aktivitäten würde das „Prinzip eines kommerziellen Zugangs“ dominieren, während die angebrachte Selbst- kritik wegen der vorherrschenden „Familiarität, der Angst, sich gegenseitig zu beleidigen“, überhaupt nicht geübt werde, richtete man ihm auch über die Zeitung „Za čest’ Rodiny“ öffentlich aus.184 Wegen organisatorischer Schwächen sei ein großes Konzert im letzten Moment verschoben worden, weswegen von Vostokov gefordert wurde, er möge die Zuseher – „Offiziere und ihre Familienmitglieder sowie deren Zeit“ – mehr würdigen.185 Beanstan- det wurde außerdem, dass zu häufig „Estradentanz- und Zirkusnummern“ zur Aufführung kamen, die den „elementaren Anforderungen sowjetischer Ästhetik keineswegs entsprechen“ würden. Zum Abschluss eines weiteren Zeitungsartikels betonte der Autor: „Das Leben verlangt, die Partei verlangt, dass die künstlerische Betreuung der Offiziere auf ein neues, höheres Niveau angehoben wird, dass sie der kommunistischen Erziehung dienen möge.“186 Ähnliche Beschwerden waren auch über „Häuser der Offiziere“ zu hören, die außerhalb Wiens lagen und deren Freizeit- und Vergnügungsmöglichkei- ten im Gegensatz zur politischen Schulung auf große Gegenliebe stießen: „An Abenden und an freien Tagen kommen viele ins Haus der Offiziere. […] Das Haus hilft, eine freundschaftliche Offiziersfamilie zu bilden. Die Mitarbeiter bemühen sich, sein Arbeitsfeld zu erweitern. Bis zum Sommer soll ein Sport- platz fertiggestellt sein. Momentan leben in den Garnisonen viele Offiziere mit ihren Familien. Die Frauen brachten die Kinder mit. Für die Kinder wird bis zum Sommer ein Spielplatz angelegt werden.“187 Auch Schachturniere, die bis zu vier Tage dauern konnten, waren populär.188 Nur wenige nahmen hingegen das politisch-ideologische Programm wahr: „Während die Freizeit relativ gut organisiert ist, steht es um die kulturell- erzieherische Arbeit bedeutend schlechter. […] In diesen Stunden leeren sich die sorgfältig aufgeräumten Zimmer.“189 Vorträge etwa würden nur von zwei 183 Ob ėtom molčat‘ nel’zja, in: Za čest’ Rodiny, 21.6.1946, S. 6. 184 Kommunističeskoe vospitanie – glavnaja zadača, in: Za čest’ Rodiny. 185 Koncert ansamblja CGV, in: Za čest’ Rodiny, 28.5.1946, S. 6. 186 Ob ėtom molčat‘ nel’zja, in: Za čest’ Rodiny. 187 V Dome oficerov, in: Za čest’ Rodiny, 21.3.1946, S. 3. 188 Šachmatnyj turnir, in: Za čest’ Rodiny, 18.10.1945, S. 4. 189 Ebd.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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