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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Seite - 646 -
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I. Bilder der Besatzung646 Gegen Ende des Films sieht man, wie auf den „von den Deutschen gesäuber- ten Straßen das Leben“ zurückkehrt und die Bevölkerung bei der „Wiederin- standsetzung der Brücken über den [Donau-]Kanal“ hilft.74 Sukzessive wird der Zuseher auf den tieferen Sinn der Befreiungsmission vorbereitet. Den Vormarsch der Kriegsmaschinerie begleitet nun klassische Musik, wozu die eindringliche Stimme aus dem Off zu vernehmen ist: „Der Vormarsch auf Wien entwickelte sich in Form eines gewaltigen Fächers, der die Stadt von drei Seiten her umfasste. Vom Süden, Westen und vom Norden. Die Panzersoldaten von General Kravčenko und die Infanterie von General Glagolev überschritten die Ausläufer der Alpen und marschierten durch den Wienerwald Richtung Wien. Die Truppen von Marschall Tolbuchin um- schlossen die Hauptstadt Österreichs.“ Zu den Bildern brennender und zer- störter Häuser hört man den anklagenden Kommentar: „Die Stadt brannte. Die Deutschen sprengten Häuser, Fabriken, Lager […]. Sie wollten auf den Straßen der Stadt einen harten, langen Kampf führen. Vor den Augen unserer Soldaten und Generäle entfaltete sich das Panorama einer der ältesten und schönsten Städte Europas.“75 Anschließend werden die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt durch das trickanimierte Durchblättern eines Fotoalbums vorgeführt.76 Akus- tisch begleitet der erste Satz der Mozart-Symphonie in g-Moll77 die Bilder von Parlament, Rathaus und Stephansdom, wobei die Symbiose aus klassischer Musik und architektonischen Kulturdenkmälern noch zusätzlich unterstri- chen wird: „Von der römischen Siedlung Vindobona erstreckt sich die Ge- schichte Wiens über 2000 Jahre. Die Stadt der Musik und Baukunst, die Stadt, die der Welt die großen Komponisten geschenkt hat, ein grandioses Denkmal der Architekturgeschichte.“78 Vor diesem Hintergrund wird die primäre Rolle der Roten Armee als Retterin des zuvor präsentierten Kulturerbes noch zusätzlich betont, indem der Aufruf Tolbuchins an die Bewohner Wiens als russisches Flugblatt ein- geblendet und verlesen wird: „Der Oberbefehlshaber der 3. Ukrainischen Front, Marschall Tolbuchin, wandte sich an die Bewohner Wiens: ‚Die Stunde der Befreiung Wiens, der Hauptstadt Österreichs, von deutscher Herrschaft ist da. Die abziehenden deutsch-faschistischen Truppen wollen jedoch auch 74 Ebd. 75 Ebd. 76 Vgl. dazu und zum Folgenden: Wurm, Walzer der Freiheit, S. 243–245. 77 Für den Hinweis auf die Symphonie Nr. 40 g-Moll KV 440 von Wolfgang Amadeus Mozart und weitere musikalische Werke in diesem Film danke ich Herrn DI Bernhard Santner, Graz. Siehe dazu auch das Kapitel A.II.1.4.1 „‚An die Bevölkerung Österreichs‘ und ‚Bürger von Wien‘“ in diesem Band. 78 RGAKFD, Nr. 11198, Vena.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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