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I. Bilder der
Besatzung646
Gegen Ende des Films sieht man, wie auf den „von den Deutschen gesäuber-
ten Straßen das Leben“ zurückkehrt und die Bevölkerung bei der „Wiederin-
standsetzung der Brücken über den [Donau-]Kanal“ hilft.74
Sukzessive wird der Zuseher auf den tieferen Sinn der Befreiungsmission
vorbereitet. Den Vormarsch der Kriegsmaschinerie begleitet nun klassische
Musik, wozu die eindringliche Stimme aus dem Off zu vernehmen ist: „Der
Vormarsch auf Wien entwickelte sich in Form eines gewaltigen Fächers, der
die Stadt von drei Seiten her umfasste. Vom Süden, Westen und vom Norden.
Die Panzersoldaten von General Kravčenko und die Infanterie von General
Glagolev überschritten die Ausläufer der Alpen und marschierten durch
den Wienerwald Richtung Wien. Die Truppen von Marschall Tolbuchin um-
schlossen die Hauptstadt Österreichs.“ Zu den Bildern brennender und zer-
störter Häuser hört man den anklagenden Kommentar: „Die Stadt brannte.
Die Deutschen sprengten Häuser, Fabriken, Lager […]. Sie wollten auf den
Straßen der Stadt einen harten, langen Kampf führen. Vor den Augen unserer
Soldaten und Generäle entfaltete sich das Panorama einer der ältesten und
schönsten Städte Europas.“75
Anschließend werden die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt
durch das trickanimierte Durchblättern eines Fotoalbums vorgeführt.76 Akus-
tisch begleitet der erste Satz der Mozart-Symphonie in g-Moll77 die Bilder von
Parlament, Rathaus und Stephansdom, wobei die Symbiose aus klassischer
Musik und architektonischen Kulturdenkmälern noch zusätzlich unterstri-
chen wird: „Von der römischen Siedlung Vindobona erstreckt sich die Ge-
schichte Wiens über 2000 Jahre. Die Stadt der Musik und Baukunst, die Stadt,
die der Welt die großen Komponisten geschenkt hat, ein grandioses Denkmal
der Architekturgeschichte.“78
Vor diesem Hintergrund wird die primäre Rolle der Roten Armee als
Retterin des zuvor präsentierten Kulturerbes noch zusätzlich betont, indem
der Aufruf Tolbuchins an die Bewohner Wiens als russisches Flugblatt ein-
geblendet und verlesen wird: „Der Oberbefehlshaber der 3. Ukrainischen
Front, Marschall Tolbuchin, wandte sich an die Bewohner Wiens: ‚Die Stunde
der Befreiung Wiens, der Hauptstadt Österreichs, von deutscher Herrschaft
ist da. Die abziehenden deutsch-faschistischen Truppen wollen jedoch auch
74 Ebd.
75 Ebd.
76 Vgl. dazu und zum Folgenden: Wurm, Walzer der Freiheit, S. 243–245.
77 Für den Hinweis auf die Symphonie Nr. 40 g-Moll KV 440 von Wolfgang Amadeus Mozart und
weitere musikalische Werke in diesem Film danke ich Herrn DI Bernhard Santner, Graz. Siehe dazu
auch das Kapitel A.II.1.4.1 „‚An die Bevölkerung Österreichs‘ und ‚Bürger von Wien‘“ in diesem
Band.
78 RGAKFD, Nr. 11198, Vena.
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Stalins Soldaten in Österreich
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Stalins Soldaten in Österreich
- Subtitle
- Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
- Author
- Barbara Stelzl-Marx
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2012
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78700-6
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 874
- Categories
- Geschichte Nach 1918