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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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1. Dokumentarfilme 647 Wien in ein Schlachtfeld verwandeln.‘ Der Marschall rief die Bevölkerung Wiens auf, wenn ihr an der Erhaltung der Stadt gelegen ist, nicht zuzulassen, dass die Deutschen Wien verminen, die Brücken sprengen und die Häuser in Festungen verwandeln.“ Den Beitrag der Roten Armee symbolisieren Auf- nahmen von kämpfenden Soldaten, die nun nicht mehr von Musik, sondern Gefechtslärm begleitet werden.79 Damit spiegelt dieser Film einen zentralen Aspekt nicht nur der sowjeti- schen Propagandaschiene, sondern auch der sowjetischen Politik gegenüber Österreich wider: Anfang April 1945 ließ Tolbuchin unter anderem einen Aufruf verbreiten, in dem er die Wiener Bevölkerung aufforderte, nicht die Stadt zu verlassen, „um ihre geschichtlichen Denkmäler der Kunst und Kul- tur“ zu erhalten. Sie sollten die „Befreiungsmission“ der Roten Armee eben- so unterstützen wie „den Kampf gegen die Deutschen […] organisieren, um Wien vor der Zerstörung durch die Nazipreußen zu bewahren“ und Plün- derungen zu verhindern.80 Den eigenen Truppen redete man ins Gewissen, durch ihr Verhalten „den hohen Grad an Disziplin und Kultur“ der Armee der „ganzen Welt“ zu zeigen.81 Dem sowjetischen Zuseher sollte der Film so- mit vor allem eines klarmachen: Die Rote Armee wusste den Wert der Kultur zu schätzen und unter Einsatz des Lebens zu verteidigen. Auch die folgenden Kampfszenen werden kontinuierlich von der Gegen- überstellung der „Deutschen“, welche die „wundervollen Bauten“ zerstören wollten, und „unseren Einheiten“, die für deren Rettung das Leben riskierten, durchzogen. Dieser Strategie folgt zudem der Off-Kommentar im Film: „Die sowjetischen Soldaten säuberten Wien zur Gänze von den Deutschen. Der Kampf ist vorbei. In die Stadt kehrte Stille ein. Die befreite Hauptstadt Ös- terreichs ist in ihrer ganzen Schönheit zu sehen. Dank des schnellen Angriffs der Roten Armee wurden großartige Kultur- und Kunstdenkmäler erhalten, wunderbare Gebäude, von denen jeder einzelne Stein von der jahrhunderte- alten Geschichte Europas erzählt.“82 Nach dem Ende der Kampfhandlungen widmet sich der Film erneut dem Kultur-Image Wiens. Zum vierten Satz von Mozarts Symphonie in g-Moll sieht man den Stephansdom – ein „Bauwerk gotischer Architektur“ –, das 79 Ebd. Vgl. dazu das Flugblatt „Bürger von Wien!“, das am 9. April 1945 von sowjetischen Fliegern abgeworfen wurde. Abgedruckt in: Aichinger, Sowjetische Österreichpolitik, S. 411f. 80 Aufruf des Oberbefehlshabers der 3. Ukrainischen Front „Bürger von Wien!“, spätestens am 6.4.1945. Abgedruckt in: Aichinger, Sowjetische Österreichpolitik, S. 411f. Siehe dazu auch das Ka- pitel A.II.1.4 „‚Jedmöglichste Hilfe‘: Aufrufe an die Bevölkerung“ in diesem Band. 81 Tagesbefehl des Militärrats an die Truppen der 3. Ukrainischen Front, 4.4.1945. Abgedruckt in: Kar- ner – Stelzl-Marx – Tschubarjan, Die Rote Armee in Österreich, Dok. Nr. 9. 82 RGAKFD, Nr. 11198, Vena; Wurm, Walzer der Freiheit, S. 244.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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