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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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I. Bilder der Besatzung648 Rathaus und die „engen, verwinkelten Gassen des alten Wien. Hier flanierten Haydn, Beethoven, Schubert, Strauß. Hier erklangen erstmals die bezaubern- den Klänge der unsterblichen Werke. In diesem Haus lebte der große Mo- zart.“ Auf diesen Spaziergang durch Wien folgt erneut ein Hinweis auf die „faschistische“ Vergangenheit Österreichs und die Rote Armee, die „Wien für immer von der deutschen Herrschaft befreite“.83 Gegen Ende des Films wird die zentrale Botschaft nochmals eindringlich in Erinnerung gerufen. „Die Rote Armee brachte den Frieden in die Straßen Wiens“, erfährt man zu Klängen aus der „Hochzeit des Figaro“. Es folgen Aufnahmen von Marschall Tolbuchin, dem Schloss Schönbrunn und schließ- lich – zu „Geschichten aus dem Wienerwald“ – vom „Walzerkönig Johann Strauß“. Den visuellen Höhepunkt dieser Verkettung zwischen den gängigen Elementen der Kriegschronik und positiv konnotierten Kulturszenen ist die Darstellung des frühlingshaften, sonnendurchfluteten Wienerwaldes, durch den sowjetische Soldaten flanieren – „als wären sie selbst jener Johann Strauß, den sie als Helden des ‚Großen Walzer‘ kennengelernt hatten“84 – und auf der Ziehharmonika „G’schichten aus dem Wienerwald“ spielen. Nun hatten auch die sowjetischen Soldaten, die „Teilnehmer an der Schlacht um Wien“, die Gelegenheit, die „fröhlichen Haine des Wienerwaldes“ zu besuchen. Die Konnotation von Kriegsende und Frühling wird durch Aufnahmen blühen- der Bäume, begleitet von Schrammelmusik, heraufbeschworen. Dazu der Kommentator: „In Wien blühen üppig die Gärten. Die Stadt erlebt den glück- lichen Frühling – den Frühling der Befreiung.“85 Der Film schließt mit Aufnahmen von der Angelobung der provisorischen Regierung Karl Renner am 29. April 1945 und Walzer tanzenden Wienerin- nen und Wienern:86 „Es jubelt Wien. Die Rote Armee hat ihr87 die Wieder- geburt gebracht. Es jubelt Wien. Sie rühmt die sowjetischen Soldaten, die Wien von den deutschen Okkupanten befreit und die deutsch-faschistischen Truppen aus Wien vertrieben haben“, vernimmt man den Off-Kommentar zu Walzer- und später Marschklängen. Der Topos des Walzers als Symbol für die Befreiung und schließlich Freiheit zieht sich konsequent als roter Faden durch den Film. So mancher Zuseher dürfte jene Rotarmisten, welche die Ge- legenheit hatten, Wien mit all seinen kulturellen Höhepunkten und Walzer- klängen mit eigenen Augen zu sehen, insgeheim beneidet haben. 83 Ebd. 84 Wurm, Walzer der Freiheit, S. 245. 85 RGAKFD, Nr. 11198, Vena. 86 Köstenberger, The Great Waltz, S. 320. 87 Im Russischen ist die Bezeichnung für Wien – „Vena“ – weiblich.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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