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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Seite - 680 -
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II. Medium der Besatzung680 von der Zeitung bewusst unter Anführungszeichen gesetzten – „Erziehung“ würden die „Kapitalisten“ vor allem durch „Kinofilme, Boulevardliteratur, Pornografie und Whisky“ Unterstützung finden. Die darunter gesetzte Kari- katur von Ju. Ganf „Amerikaner in Wien“, die zwei US-Soldaten beim Ver- prügeln eines Österreichers zeigt, sprach für sich selbst.46 Kritisiert wurde zudem die Rassendiskriminierung in der US-Armee, die einen „nicht geringen Einfluss auf junge Soldaten ausübte. Beispielsweise versehen Negersoldaten ihren Dienst ausschließlich in eigenen Abteilungen. Sie haben kein Recht, Klubs für Weiße zu besuchen, mit ihnen in derselben Kirche zu beten, gemeinsam Sport zu betreiben.“ Als löbliches Vorbild führte die Zeitung ihren Lesern die Sowjetische Armee vor Augen: „Aber erinnern Sie sich daran, wie viele Generäle, Marschälle, Offiziere, Helden der Sowjet- union in unserer Sowjetischen Armee keine russische Nationalität haben. Bei uns sind alle gleich: Russen und Turkmenen, Kasachen und Esten, Čukčen und Ossetinen. Wieso soll man ein Beispiel in der Ferne suchen? Schaut auf den Ukrainer Gorodnjanskij und den Usbeken Šarabugdinov. Alle wissen, dass sie in unserer Einheit die besten Freunde sind.“ Die Passage schloss mit der Polarisierung: „Die Sowjetische Armee, die Verteidigerin der Interes- sen der Völker, ähnelt in keinster Weise der Armee der USA, der Armee des Kapitals.“47 Bis 1955 erschienen regelmäßig Beiträge über die „Yankees“, „amerika- nische Gangster“ oder die „amerikanische Gestapo“ in Österreich, wie die Besatzungssoldaten nun abwertend genannt wurden. Die einheimischen Frauen würden „besonders oft“ von amerikanischen Soldaten beleidigt und vergewaltigt. Die angeführten Plünderungen, Spekulationen und Übergrif- fe würden reichen, „um das gemeine Gesicht der amerikanischen Soldaten, ihr Auftreten als Banditen, Vergewaltiger, Rowdys und Spekulanten zu er- kennen“, betonte „Za čest’ Rodiny“.48 In einem anderen Artikel hieß es: „Die Yankees vergewaltigen nicht nur Mädchen und junge Frauen, sondern auch Kinder.“49 Ausführlich wurden diverse „Exzesse amerikanischer Soldaten“ geschildert.50 Die „Gangster“ würden Autounfälle verursachen, bei denen Österreicher, darunter auch Schulkinder, zu Schaden kämen.51 Und der CIC, die „amerikanische Form der Gestapo“, hinterlasse regelrechte „Blutspuren 46 Amerikanskaja armija – armija imperializma, in: Za čest’ Rodiny, 31.8.1949, S. 4f. 47 Ebd. 48 E. Aleksandrov, Janki v Avstrii. Podlinnoe lico amerikanskich vojak, in: Za čest’ Rodiny, 26.4.1950, S. 8. 49 A. Grigor’ev, Janki v Avstrii, in: Za čest’ Rodiny, 10.9.1954, S. 7. 50 Besčinstva amerikanskich soldat v Avstrii, in: Za čest’ Rodiny, 9.2.1952, S. 7. 51 Ju. Larin, Amerikanskie gangstery v Avstrii, in: Za čest’ Rodiny, 4.12.1952, S. 7.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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