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II. Medium der
Besatzung680
von der Zeitung bewusst unter Anführungszeichen gesetzten – „Erziehung“
würden die „Kapitalisten“ vor allem durch „Kinofilme, Boulevardliteratur,
Pornografie und Whisky“ Unterstützung finden. Die darunter gesetzte Kari-
katur von Ju. Ganf „Amerikaner in Wien“, die zwei US-Soldaten beim Ver-
prügeln eines Österreichers zeigt, sprach für sich selbst.46
Kritisiert wurde zudem die Rassendiskriminierung in der US-Armee, die
einen „nicht geringen Einfluss auf junge Soldaten ausübte. Beispielsweise
versehen Negersoldaten ihren Dienst ausschließlich in eigenen Abteilungen.
Sie haben kein Recht, Klubs für Weiße zu besuchen, mit ihnen in derselben
Kirche zu beten, gemeinsam Sport zu betreiben.“ Als löbliches Vorbild führte
die Zeitung ihren Lesern die Sowjetische Armee vor Augen: „Aber erinnern
Sie sich daran, wie viele Generäle, Marschälle, Offiziere, Helden der Sowjet-
union in unserer Sowjetischen Armee keine russische Nationalität haben. Bei
uns sind alle gleich: Russen und Turkmenen, Kasachen und Esten, Čukčen
und Ossetinen. Wieso soll man ein Beispiel in der Ferne suchen? Schaut auf
den Ukrainer Gorodnjanskij und den Usbeken Šarabugdinov. Alle wissen,
dass sie in unserer Einheit die besten Freunde sind.“ Die Passage schloss mit
der Polarisierung: „Die Sowjetische Armee, die Verteidigerin der Interes-
sen der Völker, ähnelt in keinster Weise der Armee der USA, der Armee des
Kapitals.“47
Bis 1955 erschienen regelmäßig Beiträge über die „Yankees“, „amerika-
nische Gangster“ oder die „amerikanische Gestapo“ in Österreich, wie die
Besatzungssoldaten nun abwertend genannt wurden. Die einheimischen
Frauen würden „besonders oft“ von amerikanischen Soldaten beleidigt und
vergewaltigt. Die angeführten Plünderungen, Spekulationen und Übergrif-
fe würden reichen, „um das gemeine Gesicht der amerikanischen Soldaten,
ihr Auftreten als Banditen, Vergewaltiger, Rowdys und Spekulanten zu er-
kennen“, betonte „Za čest’ Rodiny“.48 In einem anderen Artikel hieß es: „Die
Yankees vergewaltigen nicht nur Mädchen und junge Frauen, sondern auch
Kinder.“49 Ausführlich wurden diverse „Exzesse amerikanischer Soldaten“
geschildert.50 Die „Gangster“ würden Autounfälle verursachen, bei denen
Österreicher, darunter auch Schulkinder, zu Schaden kämen.51 Und der CIC,
die „amerikanische Form der Gestapo“, hinterlasse regelrechte „Blutspuren
46 Amerikanskaja armija – armija imperializma, in: Za čest’ Rodiny, 31.8.1949, S. 4f.
47 Ebd.
48 E. Aleksandrov, Janki v Avstrii. Podlinnoe lico amerikanskich vojak, in: Za čest’ Rodiny, 26.4.1950,
S. 8.
49 A. Grigor’ev, Janki v Avstrii, in: Za čest’ Rodiny, 10.9.1954, S. 7.
50 Besčinstva amerikanskich soldat v Avstrii, in: Za čest’ Rodiny, 9.2.1952, S. 7.
51 Ju. Larin, Amerikanskie gangstery v Avstrii, in: Za čest’ Rodiny, 4.12.1952, S. 7.
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Stalins Soldaten in Österreich
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Stalins Soldaten in Österreich
- Subtitle
- Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
- Author
- Barbara Stelzl-Marx
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2012
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78700-6
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 874
- Categories
- Geschichte Nach 1918