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II. Medium der
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verei“ und die Rolle der Sowjetunion „als bester Freund des österreichischen
Volkes“ wurden auch 1955 anlässlich der Unterzeichnung des Staatsvertra-
ges und des bevorstehenden Truppenabzuges noch einmal hervorgehoben.107
Unter Berufung auf den Befehl Nr. 125 von Verteidigungsminister Žukov108
vom 31. Juli 1955 betonte die Zeitung mehrfach, wie „vorbildlich“ die sow-
jetischen Soldaten „ihre Pflicht gegenüber der Heimat“ erfüllt hätten. Als
Beweis hierfür zog sie die „aufrichtigen Gefühle der Dankbarkeit der örtli-
chen Bevölkerung“ heran, die diese der sowjetischen „Befreiungsarmee“
entgegenbrachte,109 oder die „Unbestechlichkeit“ sowjetischer Soldaten, die
zur Verhaftung einer „großen Spionin“ geführt habe.110
Darüber hinaus stellte „Za čest’ Rodiny“ für Agitatoren eigene Themen-
listen zusammen, die diese mit den Armeeangehörigen besprechen sollten.
Auch hier wurde auf die zahlreichen Opfer hingewiesen, welche die Sowjets
„im Namen der Freiheit und Unabhängigkeit Österreichs“ erbracht hätten
und wofür ihnen die Dankbarkeit der Bevölkerung sicher sei. Hinweise auf
den Einsatz der Roten Armee, der eine Zerstörung Wiens verhindert habe,
die Lebensmittelhilfe 1945 oder die Hilfeleistungen bei der Hochwasserkatas-
trophe 1954 zählten ebenso dazu wie das generell mustergültige Verhalten
der Soldaten. Mit „Ehre und Würde“ hätten sie in Österreich gedient und
ihre „militärische Ehre“ in keiner Weise „befleckt“, sollten die Agitatoren
demnach ihren Zuhörern vermitteln: „Während sie den staatlichen Interes-
sen der sozialistischen Heimat verlässlich nachkamen, hegten sie gleichzeitig
die freundschaftlichsten Gefühle für die Bevölkerung des vom faschistischen
Joch befreiten Landes.“ Auf das in mehrfacher Weise ambivalente Verhältnis
zwischen Befreiern und Befreiten wurde hier nicht einmal ansatzweise einge-
gangen.111
Somit trug sicher auch das wenig später als Armeezeitung der Zentralen
Gruppe der Streitkräfte eingestellte Blatt dazu bei, das Selbstbild der „fortge-
schrittensten, kultiviertesten und humansten Armee der Welt“,112 die Erinne-
rungen an ihren Einsatz in Österreich und die gezielt etablierten Feindbilder
in den Köpfen seiner Leser zu verankern.
107 L. Leonidov, Sovetskij Sojuz – lučšij drug avstrijskogo naroda, in: Za čest’ Rodiny, 21.6.1955, S. 7.
108 Siehe dazu auch das Kapitel A.III.3.4 „Abschied von Österreich: Truppenabzug und Auflösung der
Kommandanturen“ in diesem Band.
109 B. Maksimov, Nam rukopleščut žiteli Veny, in: Za čest’ Rodiny, 3.8.1955, S. 3.
110 P. Akimov, Sovetskie voiny v Avstrii opravdali doverie Rodiny. S čuvstvom vyskokoj otvetstven-
nosti, in: Za čest’ Rodiny, 3.8.1955, S. 3.
111 Agitator, pobesedyj na ėtu temu s voinami. Sovetskie voiny v Avstrii s čest’ju vypolnili svoj dolg, in:
Za čest’ Rodiny, 7.8.1955, S. 5.
112 Ebd.
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Stalins Soldaten in Österreich
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Stalins Soldaten in Österreich
- Untertitel
- Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
- Autor
- Barbara Stelzl-Marx
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2012
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-78700-6
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 874
- Kategorien
- Geschichte Nach 1918