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Nach 1918
Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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II. Medium der Besatzung690 verei“ und die Rolle der Sowjetunion „als bester Freund des österreichischen Volkes“ wurden auch 1955 anlässlich der Unterzeichnung des Staatsvertra- ges und des bevorstehenden Truppenabzuges noch einmal hervorgehoben.107 Unter Berufung auf den Befehl Nr. 125 von Verteidigungsminister Žukov108 vom 31. Juli 1955 betonte die Zeitung mehrfach, wie „vorbildlich“ die sow- jetischen Soldaten „ihre Pflicht gegenüber der Heimat“ erfüllt hätten. Als Beweis hierfür zog sie die „aufrichtigen Gefühle der Dankbarkeit der örtli- chen Bevölkerung“ heran, die diese der sowjetischen „Befreiungsarmee“ entgegenbrachte,109 oder die „Unbestechlichkeit“ sowjetischer Soldaten, die zur Verhaftung einer „großen Spionin“ geführt habe.110 Darüber hinaus stellte „Za čest’ Rodiny“ für Agitatoren eigene Themen- listen zusammen, die diese mit den Armeeangehörigen besprechen sollten. Auch hier wurde auf die zahlreichen Opfer hingewiesen, welche die Sowjets „im Namen der Freiheit und Unabhängigkeit Österreichs“ erbracht hätten und wofür ihnen die Dankbarkeit der Bevölkerung sicher sei. Hinweise auf den Einsatz der Roten Armee, der eine Zerstörung Wiens verhindert habe, die Lebensmittelhilfe 1945 oder die Hilfeleistungen bei der Hochwasserkatas- trophe 1954 zählten ebenso dazu wie das generell mustergültige Verhalten der Soldaten. Mit „Ehre und Würde“ hätten sie in Österreich gedient und ihre „militärische Ehre“ in keiner Weise „befleckt“, sollten die Agitatoren demnach ihren Zuhörern vermitteln: „Während sie den staatlichen Interes- sen der sozialistischen Heimat verlässlich nachkamen, hegten sie gleichzeitig die freundschaftlichsten Gefühle für die Bevölkerung des vom faschistischen Joch befreiten Landes.“ Auf das in mehrfacher Weise ambivalente Verhältnis zwischen Befreiern und Befreiten wurde hier nicht einmal ansatzweise einge- gangen.111 Somit trug sicher auch das wenig später als Armeezeitung der Zentralen Gruppe der Streitkräfte eingestellte Blatt dazu bei, das Selbstbild der „fortge- schrittensten, kultiviertesten und humansten Armee der Welt“,112 die Erinne- rungen an ihren Einsatz in Österreich und die gezielt etablierten Feindbilder in den Köpfen seiner Leser zu verankern. 107 L. Leonidov, Sovetskij Sojuz – lučšij drug avstrijskogo naroda, in: Za čest’ Rodiny, 21.6.1955, S. 7. 108 Siehe dazu auch das Kapitel A.III.3.4 „Abschied von Österreich: Truppenabzug und Auflösung der Kommandanturen“ in diesem Band. 109 B. Maksimov, Nam rukopleščut žiteli Veny, in: Za čest’ Rodiny, 3.8.1955, S. 3. 110 P. Akimov, Sovetskie voiny v Avstrii opravdali doverie Rodiny. S čuvstvom vyskokoj otvetstven- nosti, in: Za čest’ Rodiny, 3.8.1955, S. 3. 111 Agitator, pobesedyj na ėtu temu s voinami. Sovetskie voiny v Avstrii s čest’ju vypolnili svoj dolg, in: Za čest’ Rodiny, 7.8.1955, S. 5. 112 Ebd.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Stalins Soldaten in Österreich
Subtitle
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Author
Barbara Stelzl-Marx
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2012
Language
German
License
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
874
Categories
Geschichte Nach 1918
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