Web-Books
im Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Geschichte
Nach 1918
Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Seite - 713 -
  • Benutzer
  • Version
    • Vollversion
    • Textversion
  • Sprache
    • Deutsch
    • English - Englisch

Seite - 713 - in Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955

Bild der Seite - 713 -

Bild der Seite - 713 - in Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955

Text der Seite - 713 -

2. Mündlich wiedergegebene Erinnerung: Topoi und Tabus 713 folgendes Resümee: „Die Agitation von Goebbels und all den anderen deut- schen Führern hat sie natürlich erschreckt, erschreckt.“71 Auch der Donkosak Ivan Mel’nikov verweist auf das Feindbild, das seiner Ansicht nach die österreichische Bevölkerung von der Roten Armee bzw. von den Kosaken hatte, das sich durch den direkten Kontakt allerdings relativier- te. „Sie liefen fort. Und in Oberwart, wir marschierten dort ein. Ol’ga Jakov- levna, unsere Dolmetscherin, sprach mit ihnen frei auf Deutsch. Sie reden ja vor allem Deutsch. Sie erzählte, dass bereits am Abend alle Deutschen weg waren. Alle waren geflohen. Und wir kamen erst in der Nacht, gegen Morgen dorthin. Zuerst geht die Aufklärung, dann wir, die Hauptkräfte. So. So. Sie sagten uns nur: ‚Kosaken! Kosaken! Kosaken!‘ Nun, Kosaken, nun, wer sind die Kosaken? Und dort sagten sie, dass, nun, das war die Goebbels-Propagan- da, dass wir Hörner hätten, weiß der Teufel.“72 Gegen Morgen seien alle zu- rückgekommen und hätten ihnen dann zu essen gegeben, meint Mel’nikov: „Er lief fort, holte Hafer, dem Pferd gab er Hafer, fütterte das Pferd. Sowohl mich als auch das Pferd fütterte er. So sind sie.“73 2.1.4 „Es bleibt die Erinnerung daran“: Liebesbeziehungen Weitaus euphorischer klingen die Schilderungen jener – vorwiegend männli- cher – Interviewpartner, die Liebesbeziehungen in Österreich eingingen. Die Assoziationskette von Frühling – Sieg – Jugend – Musik – Liebe ist bis heu- te positiv konnotiert und mitunter romantisch verklärt. Generell lagen eine Festlichkeit und Lebenslust in der Wiener Atmosphäre, die als beeindruckend empfunden wurde. Dies belegen auch zeitgenössische Dokumente wie etwa der Brief von Leonid Trilisser, den er am 6. April 1945 aus Wien seiner Mut- ter schrieb: „Nicht weit von uns explodieren die Geschosse der feindlichen Artillerie. Wir stehen in einem großen Hof eines Reichen, neben dem großen, schönen Haus liegt ein großer Park mit Bäumen mit bereits kleinen Blättern, und überall liegt ein Duft blühender Marillen-, Apfel- und Kirschbäume in der Luft. Ich brach einen Zweig eines blühenden Marillenbaumes ab, und mit sei- nen weiß-rosa Blüten verschönert er meine Kabine!“74 Die Erinnerung an die- sen vergleichsweise glücklichen Lebensabschnitt begünstigt die Übertragung schwärmerischer Gefühle auf die Wahrnehmung des Landes als Ganzes.75 71 OHI, Nikolaj Golyšev. Durchgeführt von Natal’ja Bakši. Moskau 11.6.2003. 72 OHI, Mel’nikov. 73 Ebd. 74 Sammlung Stelzl-Marx, Brief von Leonid Trilisser an Ol’ga Ioganson. Wien 6.4.1945. 75 Siehe dazu auch das Kapitel B.II.2 „Liebesbeziehungen und Folgen“ in diesem Band. Vgl. Bezboro- dov – Pavlenko, Erinnerungen an Österreich, S. 406.
zurück zum  Buch Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955"
Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
Geschichte Nach 1918
Web-Books
Bibliothek
Datenschutz
Impressum
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Stalins Soldaten in Österreich