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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Seite - 715 -
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2. Mündlich wiedergegebene Erinnerung: Topoi und Tabus 715 gewisse Melancholie mit, wenn die Rede auf diese Beziehungen kommt. Häufig betonen die Betroffenen die Gründe, weswegen sie sich trennen mussten. Ein Beispiel hierfür ist der Bericht von Evgenij Obolenskij: „Ich kann sagen, dass es manchmal Fälle gab, dass sie sich sehr stark ineinan- der verliebten, so, aber dann mussten sie sich trennen. Uns, uns war nicht erlaubt, sie mitzunehmen, und dort- bleiben war uns nicht erlaubt.“83 Explizit kommt Vladilen Dani- ločkin, 1924 im Gebiet Krasnodar geboren, auf die „erste Liebe“ seines Lebens zu sprechen: „Eisenstadt ist für mich auch deswegen denkwür- dig, weil ich in dieser Stadt die erste echte Liebe meines Lebens traf. Bis dahin war ich an der Front gewesen, ich hatte die Frauen überhaupt nicht gekannt, und hier traf ich das schöne Mädchen Gretchen. Nachdem ich sie gesehen und kennengelernt hatte, erinnerte ich mich die ganze Zeit über an eine Schubert-Serenade […]. Wir trafen uns im Park des Esterházy-Schlosses. Das war eine schöne, romantische Zeit. Wir liebten einander, und die Erinne- rung daran blieb mir mein Leben lang. Leider verlor ich dann den Kontakt zu ihr und ich weiß nicht, wo sie jetzt ist und wie es ihr geht.“84 Auch im Fall des damaligen Dolmetschers im Rang eines Oberleutnants prägte die romantisch verklärte Liebesbeziehung mit einer Österreicherin des- sen generelle Wahrnehmung der Bevölkerung: „Man muss sagen, dass unsere Beziehungen zur zivilen Bevölkerung sehr freundschaftlich waren: Die Öster- reicher empfingen uns, die sowjetischen Soldaten, als Befreier. Natürlich gab es einzelne nationalsozialistische Elemente, die finster schauten und gegen uns Stimmung machen wollten, aber das waren Einzelfälle. Sogar als wir in den Kasernen dieser Städte stationiert waren, wurden gemeinsame Kinobesuche und Tanzabende organisiert, und die österreichische Jugend suchte gerne den Kontakt zu uns. Schließlich waren wir jung, alle wollten sich des Lebens freu- en, und das brachte uns einander näher.“85 83 OHI, Evgenij Obolenskij. Durchgeführt von Natal’ja Bakši. Moskau 5.5.2003. 84 OHI, Vladilen Daniločkin. Durchgeführt von Ol’ga Pavlenko. Moskau 11.11.2002. 85 Ebd. Abb. 119: Konstantin Arcinovič mit der Tochter seiner österreichischen Quartiergeber in Baden 1946. (Quelle: AdBIK, Sammlung Arcinovič)
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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