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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Seite - 732 -
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Seite - 732 - in Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955

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III. Formen der Erinnerung732 ohne Erlaubnis. Aber natürlich nahmen sie, nahmen sie, natürlich. Aber so ein Marodieren, ein großes, gab es nicht. Aber natürlich kam das vor. Ich er- innere mich, dass wir, als wir in irgendeiner Stadt in Österreich, in einem Ort waren. Dort gingen wir, erinnere ich mich, in ein Zimmer, ein kleines, wie ein Abstellraum. Dort gab es diese Schränke, wo Silberlöffel lagen, alle aus Silber. Ich, zum Beispiel, wusste damals nicht, was Silber ist. Was macht das für mich für einen Unterschied, wie die Gabel war, aus Silber oder aus Eisen? Aber einige Männer, die schon etwas älter waren, einige, nun, ich weiß, das wurde eingestellt.“149 Auch der Donkosake Nikolaj Kovalenko schildert einen Fall, den er be- obachtete, ohne dabei Namen zu nennen: „Nach dem Krieg hatte ich keine einzige Uhr. […] Dann wurde ja erlaubt, Pakete nach Hause zu schicken. Ich schickte kein einziges Paket nach Hause. Hatte nichts. Wie? Soll ich etwa suchen gehen, was ich ins Paket [gebe]? Es gibt einfach so Leute, sogar in Rostov. Einer schickte ein Kilogramm Nadeln, ein Kilogramm Nadeln! Gab es etwa nach dem Krieg keine Nadeln, um zu nähen, nähen? Und er wurde ‚reich‘. Er handelte mit diesen Nadeln am Markt, hier in Rostov, das weiß ich. Solche gab es viele. Es gab auch die, die zwei, drei Waggons mit Sachen schickten.“150 Bezeichnenderweise assoziiert Kovalenko das Thema „Uhr“ direkt mit den Paketsendungen in die Sowjetunion und diese wiederum mit den Plün- derungen. Doch während in Österreich die sprichwörtliche Uhrenliebe sow- jetischer Soldaten einen der zentralen Erinnerungstopoi darstellt, kommen Uhren in den analysierten Interviews auffallend selten zur Sprache.151 Eine der wenigen Ausnahmen stellt die Erinnerung von Golyšev dar, der aller- dings betont, eine Uhr eingetauscht und nicht selbst genommen zu haben: „Wir nahmen Trophäen. Besonders Uhren nahmen wir. Uhren. Und gegen Ende meines Spitalsaufenthalts kommt ein verwundeter Leutnant oder Ober- leutnant. Ich trug österreichische Hosen, und in der Tasche war eine Pistole, sichtbar, eine ordentliche, große Pistole, die absteht. Er: ‚Hör zu, Nikolaj, was hast du da?‘ Ich sage: ‚Eine Pistole.‘ – ‚Weißt du, dass du das nicht darfst?‘ – ‚Ich weiß.‘ […] ‚Mir steht eine Pistole zu. Ich habe hier drei Uhren – wähle aus. Für die Pistole – welche du willst.‘ Ich denke mir, wozu brauche ich eine Pistole, werde ich etwa schießen? Und eine Uhr habe ich in meinem Leben noch nie gehabt, ich war bereits 20. Ich schaute: eine schöne Uhr, mit einem 149 OHI, Kurilina. Durchgeführt von Stelzl-Marx. 150 OHI, Kovalenko. 151 Siehe dazu auch das Kapitel B.I.2.3.5 „‚Wie auch wir vergeben unseren Plünderern‘: Reaktionen“ in diesem Band. Vgl. Hannl. Mit den Russen leben, S. 135–137; Dornik, Besatzungsalltag in Wien, S. 466; Marcello La Speranza, Wien 1945–1955. Zeitzeugen berichten. Graz 2007, S. 41.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
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Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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