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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Seite - 734 -
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Seite - 734 - in Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955

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III. Formen der Erinnerung734 Vergewaltigungen lassen sich hingegen nicht so leicht rechtfertigen. Zwar war die Rote Armee seit 1941 auf Hass und Rache an den Deutschen pro- pagandistisch eingeschworen worden, doch hatte das Militärkommando die Soldaten im Frühjahr 1945 eindringlich aufgefordert, die österreichische Be- völkerung „nicht zu beleidigen“. Mehrere der Interviewpartner verweisen daher auch auf die entsprechenden Befehle von Marschall Tolbuchin. Im Gegensatz zu den Paketen, die gleichsam als Hilfslieferungen an die Familie in der Sowjetunion geschickt wurden, lassen sich Vergewaltigungen keiner- lei positive oder etwa anekdotische Aspekte abgewinnen. Den Übergriffen auf ausländische Frauen haftet – zu Recht – der Ruf an, dem Ansehen der Roten Armee nachhaltig geschadet zu haben. So überrascht es kaum, dass die interviewten Veteraninnen und Veteranen, allen voran Mitglieder von Veteranenverbänden, diesen unehrenhaften Aspekt der ansonsten heroisch konnotierten Befreiungsmission der Roten Armee möglichst aussparen oder negieren.154 Anscheinend besteht die kollektive Befürchtung, Erwähnungen dieser Straftaten könnten ihre Verdienste für das Vaterland schmälern. „Man [hat] heute, wenn man Veteranen der Sowjetischen Militäradministration und solche des Ostpreußen-Feldzuges interviewt, den vorrangigen Eindruck, dass frühere Sowjetoffiziere das grausame Verhalten ihrer Kameraden wie auch ihre eigene Gleichgültigkeit am liebsten aus dem Gedächtnis streichen würden“,155 beschreibt Norman Naimark die Situation mit Veteranen aus der ehemaligen Sowjetunion, die in Deutschland stationiert waren. Zu jenen, die Österreich aus erster Hand kennenlernten, besteht kein bemerkenswerter Un- terschied. Jene Interviewpartner, die vergleichsweise offen auf Übergriffe von Rot- armisten zu sprechen kommen, gehören bezeichnenderweise keiner Vetera- nenorganisation an. Ein Beispiel hierfür ist der damalige Leutnant Timofej Gorobec, der explizit auf die Rache verweist, die für deutsche Vergehen in der Sowjetunion geübt wurde. Gorobec, 1923 im Gebiet Novosibirsk geboren, antwortete auf die Frage, ob seine österreichischen Quartiergeber sich vor ihm gefürchtet hätten: „Und, wissen Sie, was die Deutschen im Krieg bei uns machten? Alle Frauen vergewaltigt und getötet! Unsere machten das auch. […] In Herden, in Herden gingen sie. Die Tochter legten sie flach, die Mut- ter legten sie flach. Übten Rache, Rache. Damals sagte Chruščev ihm, dem Deutschen: ‚Was habt ihr mit unseren [Frauen] gemacht? Ihr habt das mit unseren auch so gemacht. Und‘, sagte er, ‚wir rächten uns dafür, was ihr bei 154 Siehe dazu die im Folgenden angeführten Beispiele. 155 Naimark, Die Russen in Deutschland, S. 111.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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