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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Seite - 763 -
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Seite - 763 - in Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955

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RESÜMEE Durch das Kriegsende und die Besatzung in Österreich kamen mehrere Hun- derttausend sowjetische Besatzungsangehörige in direkten Kontakt mit dem kapitalistischen Westen. Für die meisten von ihnen stellte dies die erste und oft – für Jahrzehnte – auch letzte Möglichkeit dar, über den Tellerrand des kommunistischen Imperiums hinauszublicken. Zumindest für einen Teil der sowjetischen Soldaten bedeutete dieser unmittelbare Einblick in das Leben des ehemaligen Feindes einen tief gehenden Kulturschock. Die vorherrschen- den Lebensbedingungen unterschieden sich drastisch von jenen in der Sow- jetunion, aber auch von dem Bild, das ihnen von Stalins Propagandamaschi- nerie jahrelang eingehämmert worden war. Diese Diskrepanz zwischen dem Lebensstandard in Europa und jenem in der Heimat empfanden die Sieger vielfach als persönliche Niederlage, die zugleich Zweifel am kommunisti- schen System per se weckte. Die unmittelbare Erfahrung des Lebens in Österreich prägte die Wahr- nehmung der Besatzungssoldaten von ihrer Umgebung. Als die ersten Rot- armisten Ende März 1945 österreichisches Territorium betraten, tauchten sie zunächst in eine fremd und feindlich erscheinende, aber auch faszinierende Welt ein, welche die östlichen „Befreier vom faschistischen Joch“ nicht mit of- fenen Armen empfing. Angesichts der ersten Kontakte mit der Bevölkerung kamen nun vielfach die von der sowjetischen Kriegspropaganda geprägten Feindbilder zum Tragen. Seit dem Überfall auf die Sowjetunion war den Armeeangehörigen die hasserfüllte Devise „Töte den Feind!“ eingetrichtert worden. Propagandisten wie Il’ja Ėrenburg hatten dazu aufgerufen, die „deutsch-faschistischen Besat- zer“ zu vernichten und Rache zu üben. Erst in der letzten Kriegsphase, als die Rotarmisten erstmals in Berührung mit der deutschen Zivilbevölkerung gekommen waren, hatte parallel zu dieser Kampfrhetorik eine Akzentver- schiebung in der sowjetischen Propaganda eingesetzt. Fortan war eine kla- re Unterscheidung zwischen den „deutschen Faschisten“ auf der einen und dem „deutschen Volk“ auf der anderen Seite verlangt worden. „Man kann nicht zwei Hasen gleichzeitig fangen – rächen und kämpfen. In diesem Falle löst sich die Armee auf“,1 hatte der spätere Stadtkommandant Berlins, Gene- ral Nikolaj Berzarin, die Notwendigkeit zur Wiederherstellung der Diszip- lin umrissen. Den offiziellen Schlusspunkt unter diese Neuorientierung der 1 Zit. nach: Gosztony, Die Rote Armee, S. 272.
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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