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Stalins Soldaten in Österreich - Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Seite - 768 -
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Resümee768 tenzträgern eine gewisse Unsicherheit. Verschlechtert wurde die Situation zu- dem durch den Marshallplan, in dem die Sowjets von Anfang an einen mäch- tigen Feind von außen sahen. Heftige Propagandaschlachten waren die Folge. Wie in sämtlichen Bereichen des sowjetischen Besatzungsapparates in Österreich traten auch bei den Wirtschaftsbetrieben personelle Probleme auf. Diese ergaben sich in erster Linie aus dem Einsatz sowjetischer Spezi- alisten in einem westlichen – „kapitalistischen“ – Umfeld mit all seinen Ver- suchungen, dem direkten Kontakt mit österreichischen Mitarbeitern, bei de- nen vielfach „feindliche Einstellungen“ vermutet wurden, und mangelnden Qualifikationen. Der Verdacht, „feindliche“ Kräfte würden den sowjetischen Wirtschaftsapparat in Österreich gezielt unterwandern, nahm mit fortschrei- tender Besatzungszeit sukzessive zu. Das sowjetische Personal wurde daher eigens geschult, um Staatsgeheimnisse zu bewahren und mit vertraulichen Dokumenten richtig umzugehen. Bei Unfällen vermuteten die Sowjets häufig Sabotageakte von österreichischer Seite. Verhaftungen und Verurteilungen – auch wegen Spionage – waren die Folge. Die generelle Skepsis gegenüber dem Westen hatte mitunter direkte Aus- wirkungen auf die weitere Karriere jener sowjetischen Staatsangehörigen, die dort gearbeitet und gelebt hatten. Manche Spezialisten, die aufgrund der lan- gen Dauer ihres Auslandseinsatzes, mangelnder fachlicher Kompetenz oder aus anderen Gründen in die Sowjetunion zurückkehrten, waren an ihrem frü- heren Arbeitsplatz unerwünscht. So beschwerte sich der ehemalige Minister für Staatssicherheit und nunmehrige Leiter der Verwaltung des sowjetischen Eigentums im Ausland (GUSIMZ), Vsevol’od Merkulov, im Juni 1949 direkt bei Stalin, dass die zuständigen Ministerien und Behörden sich weigerten, so- wohl neue Spezialisten für die Arbeit im Ausland bereitzustellen als auch in einigen Fällen jene Mitarbeiter, die einen Auslandseinsatz bereits hinter sich hatten, wieder zu beschäftigen. Für einige der sowjetischen Fachkräfte dürfte die Arbeit in Österreich einen „Karriereknick“ bedeutet haben. Moskau versuchte, die Truppen zu „hoher politischer Wachsamkeit“ zu erziehen, ihre militärische Disziplin zu steigern und den „politisch-morali- schen Zustand“ zu stärken. Die direkte Konfrontation mit der österreichi- schen Bevölkerung, aber auch mit westlichen Besatzungsangehörigen barg aus sowjetischer Sicht die Gefahr einer „feindlichen Einflussnahme“ in sich. Zweifel an der Überlegenheit des kommunistischen Systems, Regelverstöße sowie Vergehen, die eigentlich „nur“ strafrechtlich relevant waren, galten als politisch motiviert und als ein Zeichen der ideologischen und politischen Wankelmütigkeit des Betroffenen. Dies konnte strenge Repressalien nach sich ziehen. Ein Beispiel dafür ist der Fall von Leutnant Michail M. Žil’cov, der im Jänner 1946 in einer Offizierskantine konstatiert hatte, die Sowjet-
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Stalins Soldaten in Österreich Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Stalins Soldaten in Österreich
Untertitel
Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945–1955
Autor
Barbara Stelzl-Marx
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2012
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-78700-6
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
874
Kategorien
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