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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
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Tagebücher160 und leselokalitäten, für conversation ist nicht gesorgt. ich kenne beynahe keine seele, und so geschieht es mir ziemlich oft, daß ich mich, wenn die Bewegung und das geräusch des tages vorüber ist, am Abende herzlich langweile und trotz aller Pracht und größe an frankfurt zurück denke, wo ich jeden Abend meinen traulichen Thee und Chitchat bey Gräfinn Bergen haben konnte. um so mehr bin ich bey tage in Anspruch genommen, zwar weniger mit eigentlichen geschäften als mit einer unzahl von Besuchen, welche ich von leuten aller Art und jeder klasse erhalte, mitunter interessante, wie z.B. robert owen, welcher seine socialen theorieen durch die deutsche natio- nalversammlung verwirklicht zu sehen hofft, mitunter auch sehr langwei- lige. eine menge deutsche lassen sich bey mir melden, theils um etwas vorzubringen, um mir nachrichten mitzutheilen, oder auch nur um ihre freude über das Auftreten des ersten deutschen reichsgesandten auszu- sprechen, in ähnlichem sinne erhalte ich Briefe aus allen theilen von eng- land, kurz es ist eine existenz, welche von der, die ich eben verlassen habe, so himmelweit verschieden ist, daß es mir oft wie ein traum vorkömmt, daß zwischen dieser und jener nur wenige tage liegen. mit meiner politischen, diplomatischen stellung bin ich nur halb zufrie- den. obwohl ich von lord Palmerston, mit dem ich schon mehrere unterre- dungen hatte, sehr gut aufgenommen worden bin, so verzögert sich meine Audienz bey der königinn noch immer. diese ist auf der insel Wight und empfängt dort nur, wenn staatsrathssitzung ist, eine solche war nun am 25., und ich sollte mit Palmerston dahin fahren. da kam aber eine Parla- mentsverhandlung über die diplomatischen verhältnisse mit rom dazwi- schen, bey welcher er nicht fehlen wollte, und so ist nun meine Audienz bis zum 5. verschoben, wo die königinn in die stadt kömmt, um das Parlament zu schließen, ich fürchtete sogar einen Augenblick, sie werde, ohne hieher zu kommen und also auch ohne mich zu empfangen, ihre reise nach schott- land antreten, und ging deßhalb gestern zu Palmerston und schlug einigen lärmen, erhielt aber von ihm die beruhigendsten versicherungen. raumer wird nun, anstatt daß ich ihm den Weg bahnen sollte, wie heckscher wollte, sehr wahrscheinlich vor mir seine creditive überreichen. obwohl Alles dieses nur in Zufälligkeiten liegt, und ich darin durchaus keine Zurücksetzung sehen kann, so ist es mir doch deßwegen unangenehm, weil es bey den minder unterrichteten Anlaß zu glossen geben kann, na- mentlich da ich eine macht repraesentire, deren eigentliche Bedeutung hier sehr unklar aufgefaßt wird. die praktischen engländer können es durchaus nicht begreifen, was eine macht bedeuten soll, die keine eigenen truppen und finanzen hat, meine stellung ist daher keine leichte, sie zwingt mich einerseits, mit den größten, entschiedensten Ansprüchen aufzutreten, wäh-
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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