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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 172 -
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Tagebücher172 ten england und frankreich sich darüber aussprechen. übrigens weiß ich, daß frankreich gegen unsere theilnahme gar nichts einzuwenden [hat], desto mehr aber Palmerston, welcher überhaupt mit seiner gewöhnlichen leidenschaftlichkeit weit mehr für italien eingenommen ist als die franzö- sische regierung. Als ich zurückkehrte, fand ich eine dépêche des neuen interimistischen ministers der auswärtigen Angelegenheiten schmerling über die italieni- sche frage, durch welche unser standpunkt in dieser sache insofern ver- ändert wird, als er nicht als mitvermittelnde macht, sondern als partie co-intéressée eintreten will. ich muß nun wieder von vorne anfangen und wahrscheinlich nächster tage wieder die 170 meilen nach Broadlands und zurück fahren, um so mehr, als ich so eben eine neue depesche erhalten habe, welcher zufolge ich Palmerstons bons offices wegen der Anknüpfung directer unterhandlungen der centralgewalt mit dänemark wegen des friedens in Anspruch nehmen soll. [london] 29. september seit schmerling das Portefeuille der auswärtigen Angelegenheiten über- nommen hat, herrscht, diese gerechtigkeit muß man ihm wiederfahren lassen, ebensoviel thätigkeit in diesem ministerium, als unthätigkeit zu heckschers Zeit. ich war neulich wieder und zwar nur auf ein paar stunden in Broadlands, um Palmerston wegen der italienischen und der dänischen unterhandlungen meine mittheilungen zu machen. die erstern scheinen sich zu seinem und zu frankreichs großem verdrusse auf einen europä- ischen congress hinauswachsen zu wollen. Preußen und die centralgewalt haben bereits erklärt, daran theilnehmen zu wollen, und rußland dürfte sich wahrscheinlich auch bald melden. das reducirt dann freilich die groß- sprecherische Wichtigkeit jener beyden „vermittelnden“ mächte auf ein un- scheinbares minimum. das ende des ganzen wird seyn, daß oesterreich Alles behält, nur soll es den Bock nicht begehen, dem lombardovenezia- nischen königreiche gemeinschaftliche nationale institutionen zu geben, denn sonst reißt es sich bey nächster gelegenheit vollends los. die unter- handlungen werden wahrscheinlich in Genf gepflogen werden. es wird nun hier ein ordentlicher reichsgesandter akreditirt werden (ich bin noch immer erst in außerordentlicher sendung), und ich bin beauf- tragt dieses anzubahnen. nun fürchte ich sehr, daß diese ernennung mich treffen werde, kann aber doch nichts dagegen thun, weit lieber wäre es mir, wenn ich als Bevollmächtigter zu der conferenz nach genf geschickt würde. die hauptursachen, weßhalb ich nicht hier bleiben möchte, sind, weil mich dieses zu lange von hause, d.h. von Wien entfernen würde, weil ich nicht gerne stabil in den dienst der centralgewalt trete, endlich weil
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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