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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 173 -
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1735. Oktober 1848 mir ein längerer Aufenthalt hier aus mehrern gründen nicht behagt, so- wol des scheußlichen climas wegen (seit ich hier bin, habe ich noch keine rechte sonne gesehen), als wegen der einförmigen ruhe und langen Weile des hiesigen lebens, welche mir nach dem excitement der letzten monathe unerträglich ist. Alles dieses sind aber keine gründe, welche ich bey dem jetzigen unsettled state of things geltend machen könnte, und so lasse ich das schicksal walten. ich habe jetzt ein fühlhorn ausgestreckt in form eines anonymen Arti- kels über das verhältniß oesterreichs zu deutschland, welchen ich nach Wien geschickt habe, wir wollen sehen, wie dieser aufgenommen wird.1 üb- rigens ist Bruck im Wesentlichen meiner Ansicht. das ministerium in frankfurt entwickelt viele energie, sowol gegen die frankfurter ruhestörer als gegen die republikaner in Baden, Würtemberg, cöln und thüringen, wo es überall gleichzeitig zum Ausbruche gekommen ist, man sieht que le corps était monté. dieses kräftige Auftreten erwirbt ihr hier viele Achtung, und ich thue mein möglichstes, um die reichsge- walt bey diesem entschlusse zu erhalten. nur der galgen und kugeln kön- nen die deutsche linke unschädlich machen. Auch wegen der stellung der reichsgesandten hat schmerling entscheidende schritte gemacht und mir diese mitgetheilt, das muß sich also binnen kurzer Zeit entscheiden. Bun- sen verkriecht sich auf dem lande, und ich habe ihn schon 14 tage lang nicht gesehen. neulich machte ich die Bekanntschaft der fürstinn lieven und guizots bey lady holland, und gestern war der berühmte reisende sir r. schom- burgk bey mir, ich hoffe, durch ihn auf die hiesige Presse Einfluß zu gewin- nen. general Jochmus ist heute fort, ich gab ihm Aufträge nach Brüssel und frankfurt mit. meine romantische correspondenz mit cathérine gagarin hat ein bey- nahe tragisches ende genommen. doch davon ein andermal. ich habe diese tage in einer gemüthsstimmung zugebracht, die ich sobald nicht vergessen werde, die frankfurter ereignisse haben tief auf mich gewirkt. [london] 5. oktober nicht viel neues. von frankfurt habe ich schon lange keine depeschen erhalten und bin darüber verdrießlich, namentlich wegen der schleswig- schen frage, welche sich wieder zu verwickeln droht, indem die dänen mit schändlicher Perfidie Alles anwenden, um bey der Ausführung des Waf- fenstillstandes die herzogthümer zum Ausbruche zu reizen und so wieder Alles in verwirrung zu bringen. 1 vgl. dazu eintrag v. 18.11.1848.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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