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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 176 -
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Tagebücher176 mein mann, denn er hat gesagt, was ich sage: geht oesterreich unter, so will ich nicht mehr leben. übrigens gewinnt der österreichische, oder wenn man will der schwarz- gelbe geist mächtig an terrain, die germanomanen sind nur mehr ein winziges Häuflein geworden. In Deutschland fängt man allenthalben an zu ahnen, daß es mit oesterreichs Aufgehen im frankfurter reiche nichts ist, und das ist für beyde theile ein gewinn, denn es ist immer ein vortheil, wenn eine Position klar wird. ich habe neulich an erzherzog Johann geschrieben und ihm meine An- sichten über das, was die österreichische regierung jetzt in ungarn und italien thun sollte, ausführlich auseinandergesetzt, denn ich fürchte, sie ist en train, nach beyden seiten hin unersetzliche fehler zu begehen, in ita- lien, indem sie durch Zögern und herumzanken wegen kleinigkeiten den jetzigen ungewissen Zustand verlängert und die eröffnung der conferen- zen hinauszieht, wäre ich carl Albert, ich griffe wieder an, verlieren kann er kaum etwas, denn sein rücken ist durch frankreich gedeckt, und bey der jetzigen ungewissheit der dinge dort, und namentlich wenn louis napo- leon Präsident wird, wie es alle Wahrscheinlichkeit hat, hätte oesterreich alle ursache, mit der eröffnung der unterhandlungen zu eilen. ebenso un- geschickt aber benimmt man sich gegen ungarn. Jetzt wäre der moment, wo der kaiser vermittelnd einschreiten sollte, noch ehe die ungarn ganz am Boden liegen, wo dann keine vermittlung mehr möglich ist, statt dessen ernennt er Jellachich zum k[öniglichen] commissär für ganz ungarn, das heißt, die ungarn pousser à bout, und das ist nicht gut, denn so sät man ewigen groll in eine starke nation. ich fürchte, die rachsucht der Weiber (erzherzogin sophie) wird das wieder verderben, was der sprüchwörtliche glücksstern oesterreichs gut machen wollte.1 und während sich alle diese geschicke erfüllen, muß ich hier sitzen in diesem abgelegenen Winkel eu- ropas und ein leben im schlafrocke führen! das halte ich lange nicht aus. [london] 15. oktober gott schütze oesterreich. die menschen scheinen sich das Wort gegeben haben, es zu grund zu richten. Am 5. war das Patent wegen Jellachich erschienen,2 am 6. ging, durch ungarn, Polen, schütte & cons. gehetzt, der 1 „ich fürchte, Jellachich’s ernennung zum königlichen commissär wird schaden, man muß ja die magyaren nicht zum Äußersten treiben, sondern mit ihnen unterhandeln, eine unter- jochte nation sollen sie ja nicht werden, sondern nur keine unterdrückende, jetzt wäre der moment zu friedensverhandlungen gewesen, ehe Pesth gefallen ist. es ist immer die alte leyer: oesterreich hat ein merkwürdiges glück, aber ebensoviel unverstand in der Benut- zung desselben.“ (Andrian an seine Schwester Gabriele, 11.10.1848; K. 114, Umschlag 662). 2 das mit 3.10.1848 datierte kaiserliche manifest löste den ungarischen reichstag auf, er-
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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