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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 180 -
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Tagebücher180 ich habe noch immer kein Wörtchen instruktionen von frankfurt hier- über erhalten, obwol ich schmerling (im Privatwege) regelmäßig von Allem, was ich gethan, in kenntniß gesetzt habe. doch glaube ich nach Allem, was ich höre und in gutunterrichteten deutschen Zeitungen lese, sicher zu seyn, nicht désavouirt zu werden. die englischen Zeitungen sprechen stark von diesen meinen schritten, und ich habe sie der Allgemeinen Zeitung mitthei- len lassen. diesem Auftreten deutschlands schreibe ich es hauptsächlich zu, daß die Regierung und die Kammern in Turin sich nun definitiv gegen die Wiederaufnahme der feindseligkeiten erklärt haben, und der friede vor der hand gesichert ist. in Wien geht die sache zu ende, die ungarn haben sich zurückgezogen, weil die sogenannte ungarische Armee gegen die k.k. truppen nicht fechten wollte. Wien ist cernirt, Windischgrätz commandirt, in der stadt herrscht Anarchie und Bestürzung, ist Wien über, so wird der Anarchie hoffentlich der kopf zertreten, so sprechen die letzten, sehr festen, fast zu festen, ma- nifeste des kaisers, ich bedauere, daß darin auch eine Beschränkung der volkswehr erwähnt ist, obwol im Princip gegen jede nationalgarde, halte ich es doch jetzt nicht für klug, an dem den oesterreichern so theuren in- stitute zu rütteln. übrigens ist die ganze sache falsch behandelt worden. man hätte gleich Anfangs den reichstag nach olmütz etc. berufen sollen, so aber hat man ihn fast gezwungen, mit dem empörten Pöbel gemeinsame sache zu machen, und hat die gemäßigten mit den wenigen radicalen zu- sammengeworfen.1 in frankfurt debattirt man jetzt über das verbleiben oesterreichs bey deutschland, als ob dieses in frankfurt entschieden werden könnte, übri- gens ist die frage schon so ziemlich von beyden seiten verneinend entschie- den. london 10. november 1848 Wien ist eingenommen. der Belagerungsstand erklärt, die entwaffnung der nationalgarde beendet, die academische legion endlich aufgelöst, gegen die verlegung des reichstags nach kremsier scheint sich keine erhebliche Opposition zu erheben, es bleibt also nur noch Ungarn zu pacificiren, auch dieß wird hoffentlich nicht sehr schwer fallen, der moralische eindruck des falles von Wien wird wirken. ohnehin waren eigentlich nur kossuth 1 „die ganze sache ist so schlecht als möglich geführt worden, man hätte den reichstag gleich nach olmütz etc. berufen sollen, so aber hat man ihn quasi gewaltsam in die opposi- tion gedrängt und die große Anzahl derer, welche dem rufe des kaisers gefolgt wären, mit der geringen radicalen minderheit zusammengeworfen, das wird noch eine harte nuß zu knacken geben.“ (Andrian an seine Schwester Gabriele, 28.10.1848; K. 114, Umschlag 662).
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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