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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 188 -
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Tagebücher188 der Absendung französischer truppen noch nichts zu wissen,1 meiner An- sicht nach ändert diese den ganzen stand der französischenglischen media- tion und macht diese unmöglich. ich übernachtete in dover, da mir das Wetter zu stürmisch war, um nach ostende überzufahren. selbst die fahrt nach calais tags darauf war sehr stürmisch, und ich wurde seekrank, am selben tage kam ich nicht weiter als bis lille, tags darauf Abends 9 nach cöln, von wo ich meinen Jäger mit der Bagage per dampfschiff weiter schickte und mit dem englischen cou- rier leutnant macdonald per Post nach mainz fuhr, wo ich um 12 mittags ankam und um 4 hier war und im russischen hofe wohne. ich ging gleich zu schmerling und fand ihn mißmuthig und ziemlich découragirt über die maßlosen Angriffe der linken und die ungeschickte und ungenügende unterstützung, die er von seiten der majorität erhält. dadurch werden die ewigen interpellationen und debatten über Allottria möglich. schmerlings stellung wird nebstdem als oesterreicher immer schwieriger wegen der immer zunehmenden Wahrscheinlichkeit, daß oe- sterreich ausscheiden werde. diese überzeugung scheint allgemein, so wie auch die, daß demnach Preußen an die spitze treten müsse (so unpopulär sich auch der könig und seine regierung ungeschickterweise gemacht haben) und es mit oesterreich höchstens auf einen staatenbund hinausgehen werde. viele fordern schon den Austritt der österreichischen Abgeordneten, welchen ich dagegen aus politischen und juristischen gründen für unstatthaft ansehe. seit gestern ist nun das Programm des neuen österreichischen cabinets hier bekannt geworden, welches felix schwarzenberg als Präsident dem reichstage in kremsier unter allgemeinem Beyfalle vorgetragen hat. dieses ist würdig, freysinnig und fest, erklärt hinsichtlich italiens die Aufrechterhaltung des vollen gegenwärtigen Besitzstandes (welchen f. schwarzenberg in einer neuesten an die centralgewalt gerichteten, ziemlich leidenschaftlichen und nach metternich riechenden note auf das Bestimmteste festhält und daher den gegenstand einer etwaigen mediation auf die frage der kriegskosten beschränkt) und in Betreff des verhältnisses zu deutschland: daß erst das neu constituirte oesterreich mit dem neu constituirten deutschland über sein künftiges verhältniß unterhandeln könne, also erst nach Beendigung beyder Verfassungen, daß es aber inzwischen seine Bundespflichten ge- treulich erfüllen werde. übrigens erklärt es sich ganz bestimmt für eine 1 Auslöser für den Ausbruch der revolution in rom war die ermordung des gemäßigten Ministerpräsidenten Pellegrino Rossi am 15.11.1848, Papst Pius IX. flüchtete am 24. No- vember aus der stadt. Zum einmarsch französischer truppen zur Wiederherstellung der päpstlichen macht kam es allerdings erst im April 1849.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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