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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 191 -
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1916. Dezember 1848 rigen unterhändler könnte ich noch am ehesten eine Ausnahme machen, Preußen wünscht aber seine Wahl selbst nicht, da es sich aus dieser ihm so odios gewordenen und zugleich für den könig persönlich so delicaten sache ganz herausziehen möchte), und ich ebenso entschieden dagegen protestire, daß irgend Jemand in London von der Centralgewalt officielle oder halb- officielle Aufträge erhalte, ohne daß diese durch meine Hand gingen, kurz, complicationen überall. [frankfurt] 6. december Abends Heute kam die positive, jedoch noch nicht offizielle Nachricht an, daß der kaiser zu gunsten franz Josephs abdicirt habe. erzherzog Johann, den ich heute lange sprach und der hierüber sehr agitirt war, weiß ebensowenig gewisses, wie er überhaupt, seit er hier ist, von seiner familie, die voll kleinlichem neid und mißgunst ist, noch keine Zeile erhalten hat!! ich halte diese Abdication, an der ich nicht zweifle, für einen der Zeit nach verfehlten schritt, sie sollte geschehen, wenn ungarn unterworfen und die verfassung fertig seyn wird, so aber dürfte sich der neue kaiser in diesen kämpfen ab- nützen, und was dann? übrigens scheint das österreichische ministerium immer mehr an terrain zu gewinnen. die deputirten der linken erhalten mißtrauensvota von ihren Wählern, und von frankfurt will man gar nichts mehr wissen. von einem extreme ins andere, so sind die österreichischen kinder. hier habe ich in diesen tagen fast ununterbrochen conferirt und verhan- delt und zu meiner freude gesehen, daß die stimmführer der rechten und centrumpartheyen darüber einig sind, daß oesterreich zu deutschland in ein staatenbündliches verhältniß treten müsse, am unklarsten hierüber aber sind gerade die oesterreicher, ich wohnte heute einer versammlung derselben bey, worin, ohne eine discussion über die frage ob zuzulassen, beschlossen wurde, eine Adresse zu entwerfen, womit einer Ansprache mühl- felds und egger’s an das österreichische volk (worin gesagt wird, daß oe- sterreich zu deutschland in ein bloß völkerrechtliches verhältniß zu treten habe) entgegengetreten und dazu von den österreichischen Abgeordneten der rechten und linken je 3 redactoren gewählt werden sollten, und in diese Commission wurde auch ich gewählt! Nun finde ich derley Collectiv-Adres- sen verschiedener Parteyen nicht nur ganz unpraktisch, sondern glaube auch noch nebstdem, daß eine bloß negative Ansprache jetzt, da die entscheidung vor der thüre steht, durchaus nicht mehr passe, sondern daß wir uns jetzt positiv über unsere Ansichten über das zukünftige verhältniß aussprechen müssen, freilich haben noch die wenigsten österreicher Ansichten darüber. ich glaube, daß meine Anwesenheit hier in diesem Augenblicke von nut- zen ist, denn von allen oesterreichern hat nur schmerlings (der aber durch
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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