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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 197 -
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19714. Dezember 1848 tigung begehren, mit oesterreich über sein zukünftiges verhältniß zu deutschland in unterhandlung zu treten, „nachdem ein Beytritt desselben zum deutschen Bundesstaate nicht erwartet werden kann“, und einstwei- len soll die nationalversammlung das verfassungswerk ohne rücksicht auf österreich fortsetzen. diese unterhandlungen soll, wenn die nationalver- sammlung sie bewilligt, gagern als minister Präsident und der auswärti- gen Angelegenheiten führen, im übrigen das cabinett dasselbe bleiben (?!), bewilligt sie sie nicht, so stürzt natürlich das ganze cabinet. über diese Proposition, welche vom ministerium nach hiesiger sitte vor- läufig in die Clubs gebracht wurde, debattiren diese nun seit gestern, ohne noch zu einem bestimmten resultate gelangt zu seyn. es werden jedoch viele stimmen für den gänzlichen Austritt schmerlings (der sich theils durch sein energisches Auftreten seit dem 18.9, theils aber auch durch seine manieren und sonstigen fehler viele feinde gemacht hat) laut, na- mentlich im Augsburgerhofe, einer fraktion oder faktion des casinos,1 und bey der geringen majorität, die das ministerium für sich hat, hat dieser den Ausgang so ziemlich in händen. ich wurde heute angegangen, ob ich ins ministerium treten würde, man wolle einen österreicher haben, um den Anschein eines Bruches, und als ob man schmerling, weil er ein österrei- cher sey, nicht haben wolle, zu vermeiden, ich antwortete ablehnend. das ganze sieht einer intrigue ziemlich ähnlich, denn es ist kein grund da, wa- rum schmerling gerade jetzt austreten soll, und wenn ich überhaupt hier in kein ministerium treten will, so will ich es noch weniger in folge einer intrigue, welche mich dann beherrschen würde. die österreichischen Abgeordneten rennen herum wie tolle hunde, wüthen gegen eine suprematie Preußens (welche hier täglich an Boden ge- winnt), alliiren sich mit der linken, wollen neue clubs gründen etc., kurz benehmen sich so dumm wie möglich, ich habe wieder ein paarmal zu ihnen gesprochen, um sie auf klarere Begriffe zurückzuführen, werde dieses aber nun aufgeben, eine wahre landplage ist sommaruga. dagegen lasse ich mein schreiben an meine Wähler in einer hiesigen Zeitung abdrucken.2 der einzig gescheidte unter ihnen Allen ist fritz deym, den ich viel sehe,3 er räth mir lebhaft ab, vor der entscheidung nach london zurück- zugehen, und ich werde dieses befolgen, ohnehin ist jetzt, da Bunsen für 1 das casino war der sitz des rechten Zentrums, der Augsburgerhof seit ende september des rechten flügels des linken Zentrums, einer Abspaltung des Württemberger hofs (lin- kes Zentrum), nicht des casinos. 2 vgl. dazu eintrag v. 19.12.1848. 3 „ich und deym, wir sind die einzigen gescheidten [österreicher hier], alle andern hat die Tarantel gestochen.“ (Andrian an seine Schwester Gabriele, 22.12.1848; K. 114, Umschlag 662).
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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