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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 198 -
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Tagebücher198 die dänischen verhandlungen bevollmächtigt ist, dort nichts zu thun, es könnte auch sehr leicht geschehen, daß ich, wenn die Wellen hier hoch ge- gen oesterreich gehen, meinen Posten niederlege. ebenso lebhaft räth mir Deym, Gräfinn Bergen zu heirathen, was ich aber kaum befolgen werde. dagegen regt sich der Widerwillen gegen die Wahl der preußischen dy- nastie immer mehr. Bayern, katholiken, hannoveraner, kurz fast ganz deutschland, ja selbst Preußen will um diesen Preis nicht in deutschland aufgehen, der könig selbst weigert sich entschieden. ich sehe ruhig zu, ist Preußen wirklich unmöglich, nun so kommen wir auf einen verbesserten staatenbund und auf die Bundesakte von 1815 zurück, und dieses wäre für oesterreich das Beste. ohnehin wird die verfassung hier nicht gemacht werden, so weit sind wir schon längst, und fast Jedermann sieht dieses schon ein, sondern sie wird vereinbart oder octroyirt. sie machen es hier aber auch darnach, grundrechte und verfassung, wie sie hier gebraut wer- den, sind dem teufel zu schlecht, und fast jeder tag bringt neuen unsinn. dabey ist die versammlung zu einer wahren Judenschule geworden, wie anders war es vor 5–6 monathen! [frankfurt] 15. december Abends die intrigue ist geplatzt. gestern Abend erklärten die minister selbst schmerling, es sey nothwendig, daß er austräte, und wie natürlich erklärte sich dieser sogleich bereit, es zu thun. in der soirée bey rothschild erzählte er mir dieses, und ich erklärte sogleich (zu deym’s großem Jubel) dasselbe thun zu wollen. heute waren denn zuerst er und dann ich beym reichsver- weser und gaben unsere entlassung, die angenommen wurde und morgen im amtlichen theile der oberpostamtszeitung erscheint. gagern wurde von ihm berufen, um an die spitze des neuen kabinets zu treten, was er jedoch äußerst ungern annahm, da diese ganze intrigue und der falsche schein, den diese geschichte auf ihn wirft (wiewohl er nicht den geringsten An theil daran hatte), ihm höchst unangenehm seyn muß. übrigens bleiben alle mi- nister, daher gagern nur ein Portefeuille, nämlich das des inneren oder das der auswärtigen Angelegenheiten, je nachdem er sich eines oder das andere behält, zu vergeben hat. Würth, Bassermann und vielleicht mathy treten mit aus.1 Wir wollen nun sehen, wie sich gagern durchbringen wird. das neue ministerium wird ein kontrapreußisches seyn, denn von dieser Partey, die nun gleich alles übers knie brechen und uns oesterreicher ge- radezu ausweisen möchte, ging die ganze intrigue aus. sie könnte sich aber 1 lediglich Josef Würth, unterstaatssekretär im innenministerium, schied als enger mit- arbeiter schmerlings ebenfalls aus dem kabinett aus, die unterstaatssekretäre friedrich Bassermann (inneres) und carl mathy (finanzen) behielten ihre Posten.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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