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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 204 -
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Tagebücher204 und so wäre dann das Jahr 1848 zu ende, einzig in der geschichte, wer mir heute vor einem Jahre in venedig gesagt hätte, ich würde heute deut- scher reichsgesandter in england seyn?! Was und wo werde ich heute über ein Jahr seyn? denn auch 1849 wird ein ungewöhnliches Jahr seyn, wäre es auch nur dazu bestimmt den knäuel abzuwickeln, welchen uns 1848 hin- terläßt. Aber ich glaube, es wird mehr als eine bloße lösung seyn, vielleicht eine neue und noch größere verwickelung. [london] 6. Jänner 1849 Am neujahrstage erhielt ich eine einladung zur königinn nach Windsor für den folgenden tag bis zum 4. ich war auf den 2. nach kew zum her- zoge von cambridge geladen und mußte also diesem absagen. die einla- dung freute mich nicht nur wegen der großen Auszeichnung, welche darin lag (da nur die bevorzugten unter den diplomaten und der Aristokratie eine solche erhalten), sondern auch, weil ich dachte, daß hiermit zugleich meine Abschiedsaudienz abgethan seyn würde, und ich daher gleich darauf werde abreisen können. in letzterer Beziehung aber irrte ich mich, wie ich in Windsor erfuhr, und muß nun noch immer auf meine officielle Audienz warten. der dreytägige Aufenthalt in Windsor war sehr angenehm, ich wurde mit großer, ja mit auffallender Auszeichnung behandelt, mußte bey tische im- mer neben der königinn sitzen, welche außerordentlich freundlich und ge- sprächig war. Am 2. tage kam die herzoginn von cambridge, Prinz eduard von Weimar etc. vande Weyer und seine frau waren außer mir die einzigen gäste. Am 2. Abende ward ein Ball improvisirt, königin victoria sprang herum wie ein füllen, und ich mußte auch herhalten. das ganze leben dort ist eine sehr angenehme und glänzende vie de château und behagte mir sehr, dazu eine menge meist sehr schöner hof- und andrer damen, vor Al- len die marquise Waterford, die mich ganz bezauberte, und ihre schwester lady canning. in meinen freyen stunden hatte ich unterredungen mit stockmar, der mir ein mémoire Bunsens über die deutschösterreichische frage mittheilte: viel Worte und keinen neuen gedanken. die herzoginn von cambridge kam eigens zu mir, um mir zu gratuliren, daß ich die „frankfurter geschichte“ los geworden, jetzt hofften sie, mich in meiner natürlichen stellung, d.h. als oesterreicher, wieder hier zu sehen. die herzoginn von kent bestellte mich und vandeWeyer nach frogmore und zeigte uns da alle ihre herrlichkei- ten. Am 4. nach dem luncheon fuhr ich fort und hierher zurück. lord Palmer- ston hatte mich engagirt nach Broadlands zu kommen, wozu ich aber bey diesem nassen und kalten Wetter keine lust hatte. ohnehin kömmt er in
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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