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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 208 -
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Tagebücher208 ich reise also morgen Abends ab, und so wäre wieder eine episode in mei- nem leben ausgespielt. die discussion über die österreichische frage hat am 10. begonnen,1 ist also jedenfalls morgen oder montag den 15. zu ende. ursache mehr für mich, meine Ankunft in frankfurt nicht zu beeilen, es war recht gut, daß ich in dieser Zeit nicht dort war, mich nicht auszuspre- chen, wäre unmöglich gewesen, und hätte ich mich so ausgesprochen, wie ich denke, so hätte ich mich ohne das geringste resultat mit allen oester- reichern und mit unserer regierung überworfen, ein einzelner kann hier nichts ausrichten, es müssen die verhältnisse, die natur der dinge selbst muß die entscheidung bringen, und es muß sich jetzt erproben, ob der ein- heitsdrang im deutschen volke wirklich so stark ist, als wir glaubten, oder nicht. nebstdem geht mich ja die ganze sache doch nur in zweyter linie an, vor Allem sind es die österreichischen Zustände, die für mich wichtig sind, ist deutschland wirklich zu seiner regenerirung jetzt noch nicht reif, ja nun, wir oesterreicher können uns darüber trösten. Paris 17. Jänner morgens samstag den 13. Abends verließ ich london, in dover traf ich noch mit Prinz eduard von Weimar zusammen, der über ostende nach deutschland reiste. gegen mitternacht embarquirte ich mich nach Boulogne, hatte aber wie immer wieder eine scheußliche überfahrt, so daß wir nicht in Boulogne einlaufen, sondern nach calais mußten. das hatte zur folge, daß ich an- statt am 14. des morgens, erst spät am Abende hier eintraf, denn ich mußte von 3 bis 6 auf den Zug nach lille und dann in lille wieder von 9 bis 12 auf den Zug nach Paris warten, wo ich erst um 9 uhr Abends ankam und im hôtel des Princes abstieg. ich ging noch am selben Abende auf einen mo- ment in den Jardin d’hiver auf einen langweiligen öffentlichen Ball. nun bin ich 2 tage hier und habe eine menge leute besucht, viele Be- kannte getroffen. läden, Boulevards, theater etc. sehen viel weniger bril- lant aus als sonst (vielleicht trägt auch der umstand dazu bey, daß ich von london komme, welches doch immer die hauptstadt der Welt bleibt), aber es bleibt doch immer das freundliche lustige, gedankenlose, liederliche Paris, wo man ein ebenso amusantes als interessantes leben führt, und gerne würde ich, wenn ich könnte, ein paar monathe hier zubringen. An die stabilität der hiesigen Zustände glaubt niemand, doch hofft man auf eine ruhige entwicklung, der Präsident verliert an terrain, je mehr man seine unfähigkeit einsieht.2 Das große Thema ist jetzt die Auflösung der Assem- 1 die debatte über die österreichische frage begann am 11., nicht 10.1.1849. 2 Prinz louis napoleon (napoleon iii.) hatte die Präsidentschaftswahl am 10.12.1848 gewon- nen, am 20. dezember übernahm er die regierung.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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