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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 210 -
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Tagebücher210 thom ist ein langweiliger alter diplomat de second ordre aus der frühe- ren schule. Aber auch diese kleinen deutschen diplomätchen, schweizer, Wendland, stockhausen etc. sind entsetzlich bornirte kerls, jämmerliche unterthänige Aufpasser und Phraseurs. gestern war ich mit schweizer beym minister der auswärtigen Angelegenheiten drouyn de l’huys, qui re- cevait, und sah da eine menge menschen, lord normanby, lagrénée, ce- cille, gabriac und marescalchi aus Wien, callimachi etc. und den sehr ge- scheidten chef des ministerium, mr. cintrat. dann meinen Badner freund heeckeren d’Anthez etc., ich perorirte viel und ging dann mit schweizer in die variétés in ein ganz köstliches stück le lion empaillé, überhaupt sind diese kleinen theatres in Paris eine wahre Wonne, dort traf ich cochelet aus london, und Palochay!! es kommt mir fast komisch vor, daß solche leute noch leben. lazzi teleki ist noch immer hier und wüthet gegen oe- sterreich, ich bin neugierig, ob er zu mir kommen wird?! Auch meine freundin Plunkett habe ich besucht und war gestern Abend noch auf einem Ball de „petites femmes“, wozu ich von einer mad. lejeune eine schriftliche einladung erhalten hatte. überhaupt ist in dieser Bezie- hung Paris noch immer das alte. ich habe jetzt guizots eben erschienene schrift de la démocratie en france gelesen, ganz der beschränkte, fest in sich abgeschlossene Pedant, der er immer war,1 der hartnäckigste, gläubigste champion quand’ même der jetzigen civilisation, keine einzige neue idee, was ich mir darauß ab- strahirt habe, ist lediglich die nothwendigkeit, auf das ständische Prinzip in der repraesentation anstatt des jetzigen rein mathematisch numeri- schen zurückzukommen, um den interessen der einzelnen klassen in der gesellschaft geltung zu verschaffen, ohne vernichtungskrieg der einen ge- gen die anderen, und das Bekenntniß, daß die Zeit der centralisation selbst in frankreich vorüber sey. ich wundere mich, wie meine schriften über oesterreich, deren ich als einer längstvergangenen sache gar nicht mehr gerne gedenke, überall be- kannt sind. hier, wie in england, sprachen mir minister und staatsmänner davon, im Quarterly review (glaube ich) war während meines Aufenthaltes in england die rede davon, kurz man ward dort und hier jetzt darauf auf- merksam, während ich es jetzt schon zur alten geschichte rechne. [Paris] 20. Jänner die Zeit vergeht mir hier sehr schnell, angenehm und interessant, und doch habe ich keine ruhe, bis ich in frankfurt bin, ich reise übermorgen Abends ab und bin am 24. nachmittags dort. 1 françois-Pierre-guillaume guizot, de la démocratie en france (janvier 1849) (Paris 1849).
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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