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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
Seite - 214 -
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Tagebücher214 rücksichtlich oesterreichs fürchtet gagern, daß man dort die Absicht hege, die ganze deutsche sache zu hintertreiben, und schreibt dieses schmerling zu, auffallend ist es allerdings, daß, nachdem die österreichi- sche regierung noch bis zum 26. vorigen monats die freundlichsten gesin- nungen zeigte, zugleich aber auch ziemlich klare und mit denen gagerns übereinstimmende Ansichten über die stellung oesterreichs zu deutsch- land zu haben schien, sie plötzlich nach der am 27. mit schmerling statt- gefundenen conferenz ihre Ansichten änderte und am 28. die bekannte beynahe feindselige note erließ, worin sie gagerns Programm und damit theilweise auch ihr eigenes vom 28. november désavouirte und sich so zu sagen für den eintritt in den Bundesstaat aussprach. das beweist, daß sta- dion und schwarzenberg ebensowenig klare Ansichten haben als schmer- ling, sie müßten denn mit Perfidie Alles hier unmöglich machen wollen. ich hoffe, daß da mein Brief vom 10. dieses monats an stadion à propos gekommen seyn wird, ich setzte darin auseinander, wie sehr sich oester- reich durch ein solches verfahren selbst schaden würde. übrigens scheint schmerling jetzt der Abgott in olmütz zu seyn, ich kann mir nicht denken, daß dieses lange dauern kann, denn es muß sich bald zeigen, daß durch ein solches schwankendes, unklares, perfides Benehmen Nichts erreicht wird als ein odium sine lucro. Er ist ein mittelmäßiger Kopf, aber schlauer Pfif- fikus, der sich in ganz gewöhnlicher Weise poussiren will, mein Verhältniß zu ihm ist ein äußerlich freundschaftliches, aber das ist auch Alles, in der Achtung Aller Welt ist er für immer verloren. in den letzten tagen seines ministeriums hatte er beynahe buchstäblich denselben Antrag an die na- tionalversammlung vorbereitet, welchen gagern gestellt hat, und den er nun bekämpft. Was mich betrifft, so langweile ich mich schon jetzt, zu thun und zu wir- ken ist hier wenig mehr, und die ganze sache hat viel von ihrem interesse für mich verloren, ich möchte weg, aber wie? und wohin? könnte ich, ich ginge nach Paris zurück. Bunsen ist hier, ebenso heckscher, heute aß ich mit beyden bey cowley. hier ist beynahe jeder mensch ein stück geschichte. deym will von einem nahen Wiederausbruche in Böhmen wissen. Windischgrätz hat in eperies wichtige documente gefunden, in deren folge der Prozeß gegen die cze- chen wegen der Juny ereignisse1 wieder aufgenommen werden soll. der reichstag in kremsier nimmt immer mehr eine oppositionelle stellung an und hat soeben smolka wieder zum Präsidenten gewählt. Zum glücke hat und verdient er die öffentliche Achtung nicht, und so erwarte ich mit näch- stem seine Auflösung. 1 Der Prager Pfingstaufstand 1848.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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