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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Band II
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Tagebücher222 destages. Preußen und Bayern hatten noch bis mitte vorigen monats ihre volle Zustimmung gegeben, als plötzlich (rechberg schreibt es Bunsen zu) Preußen die sache fallen ließ und seine circularnote vom 23. erließ. nun scheint man in olmütz nicht recht zu wissen, was man anfangen soll, und operirt einstweilen gegen das preußische erbkaiserthum, und zwar, wie ich nie bezweifelte, mit erfolg. Bayern hat in seiner heute eingelangten note sich für ein directorium ausgesprochen, dasselbe wird Würtemberg thun, dessen kammern sich vorgestern in demselben sinne wie am 9. die bayerische ausgesprochen haben. hannover und sachsen wird ein glei- ches thun, und somit wäre gagerns und der Preußen einheitsidee selig entschlafen. das österreichische ministerium wird von den czechen und slaven ge- drängt (wo es heftig gährt), entschieden von deutschland auszutreten, und ihnen zu liebe konnte, wie rechberg sagt, die note vom 4. nur ganz negativ gehalten werden. dennoch will das ministerium die alten rechte oester- reichs in Deutschland nicht aufgeben und seinen Einfluß auf dasselbe nicht verlieren, worin ich ihm, nur nicht in der Wahl seiner mittel, ganz recht gebe. ich sagte rechberg, nun müsse man auch etwas positives ausspre- chen. die regierungen von der preußischen oberhauptsidee, für die nir- gends ein enthusiasmus herrsche, abzubringen, sey ein leichtes gewesen, eben dadurch aber habe Oesterreich eine doppelte Verpflichtung übernom- men, nun auch mit einem positiven Antrage hervorzutreten. er solle aber nicht glauben, daß es möglich sey, einem deutschen Parlamente auszuwei- chen oder es auf das maaß jenes österreichischen Projektes (mit 12 stände- mitgliedern!! eine neue Auflage des Bundestages) zu reduciren, ein solches, und eine einheitliche vertretung nach Außen, seyen das minimum, welches in deutschland annehmbar erscheinen würde, und eben weil oesterreich sich einem solchen nicht unterordnen werde noch könne, müsse man dem Wesen nach doch auf die idee des engern und weiteren Bundes zurück- kommen, sonst werde Preußen Mittel finden, aus dem Zollvereinscongresse nach und nach ein Parlament zu machen. Wenn oesterreich seinen politi- schen Einfluß auf Deutschland behalte, so könne es dem Zustandekommen dieses engern Bundesstaates ruhig zusehen, vorausgesetzt, daß die spitze desselben keine einheitliche sey, und es sey dabey nur darauf zu wirken, daß Bayern demselben nicht beytrete, aber auch nur Bayern, damit die üb- rigen staaten stark genug blieben, um Preußen in dem engern Bunde die Wage zu halten. ich warf ihm die grundzüge meines Planes einer neuen Bundesacte hin, ohne zu sagen, daß er von mir komme, und rechberg war im Wesentlichen ganz einverstanden und meinte nur, ob dieses hier und in Berlin Anklang finden würde?
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Band II
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Untertitel
Tagebücher 1839–1858
Band
II
Autor
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Herausgeber
Franz Adlgasser
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2011
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
716
Schlagwörter
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Kategorie
Biographien

Inhaltsverzeichnis

  1. Tagebücher 1848–1853 7
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